Das Thema liberale Juden und Israel hat mehrere Ebenen. Politisch gesehen habe ich Verständnis für die Gesetze, in denen definiert werden soll, wer Jude ist. Judith Butler nennt sich auch Jüdin und ist eine Ikone von BDS. In den USA wollen viele junge Juden lieber irgendwie...einer der Ideologien des demokratischen Spektrums angehören. Sie sollten sich entscheiden oder getrennt werden, denn sie schaden Israel erheblich.
Gleichzeitig ist es politisch nicht klug, sich vom liberalen Judentum der USA zu trennen. Viele Abgeordnete sind einflussreich und können Israel behilflich sein. Ben Gvir würde sie massiv vor den Kopf stoßen. Mit Blick auf die USA will ein solcher Schritt wohl abgewogen sein. Zudem sind auch Juden in Europa eher beim reformjudentum angesiedelt und hier wird es wieder richtig gefährlich. Auch mit Blick auf deren Sicherheit sollte dieser Schritt wohl abgewogen sein. Da bin ich also völlig bei Bibi aber mir liegen auch eher Diplomaten. In der Politik muss man langfristig denken und alle seine Verbündeten im Blick behalten.
Auf der religiösen Seite gibt es zu bedenken, dass das Judentum immer pluralistisch war und auch sehr dynamisch. Natürlich ist nur jude, wer von einer jüdischen Mutter abstammt oder nach halachischen Regeln konvertiert. Aber die Ausgestaltung war und ist doch sehr verschieden. Das geht übrigens nicht erst auf das 19. Jahrhundert zurück sondern bereits auf die Neuzeit, als Rabbiner in Krakau den Humanismus gestaltet haben.
Ich sitze also lieber bei Leo Baeck und tanze und kämpfe mit allen aus meinem Dorf. Und ich werde nicht aufhören zu tanzen oder zu kämpfen.
Da bin ich mit dir absolut einverstanden.
Doch bei der anvisierten Gesetzesänderung geht es ja nicht um Juden an sich (das hast du korrekt beschrieben: Mutter oder Gyur), sondern um Konvertiten und "halachische Nicht-Juden".
Jedenfalls soweit ich den Gesetzestext kenne und dieser ist ja noch in Diskussion.
Jedenfalls das ist ist, was ich sicher unterstützen würde:
Unanerkannte Konversionen sollten bezüglich Aliyah nicht akzeptiert werden.
Was "halachische Nicht-Juden" betrifft: Hier wissen wir nicht wirklich, wie viele solche Aliyah machen wollen (wer an Aliyah nicht interessiert ist, den betrifft es ohnehin nicht). Es waren mal sehr viele, insbesondre aus der UdSSR, doch wie das heute aussieht, das wissen wir nicht. Ist wohl auch schwierig, herauszufinden.
Wobei: Es ist auch heute unter Umständen schwierig für einen Diaspora-Juden, zu belegen, dass er wirklich jüdisch ist. Das betrifft insbesondere Juden, deren Familien aus Europa stammen. Bei vielen von ihnen sind viele Dokumente vernichtet worden oder sonstwie nicht mehr auffindbar...
