Aliyah – ein Ratgeber

In diesem Artikel werde ich eine Handvoll Tipps aufzählen, die für Einwanderer mehr oder weniger wichtig, aber sicher hilfreich sind. Einige davon sind – je nach Reiseplan – auch für Touristen interessant.

Allgemeine Informationen über Aliyah habe ich in einem anderen Artikel bereits publiziert, hier geht es um praktische Tipps zur Vorbereitung und nach der Einwanderung.

Ich schreibe dabei aus eigener Erfahrung – auch über Dinge, die ich selbst erst im Nachhinein erkannt habe. Manches davon hätte ich gerne schon vor meiner Aliyah gewusst, doch niemand hat es mir gesagt. Dir soll es besser gehen.

Inhalt


Packliste

Wie sinnvoll ist es, ein eigenes Auto mitzunehmen?

Autos sind in Israel aufgrund der hohen Zoll- und MwSt-Abgaben vergleichsweise teuer.

Wer deshalb ein eigenes Auto mitbringen möchte, sollte sich erst über die Exportbestimmungen in seinem Wohnsitzland informieren. In verschiedenen Ländern bestehen Sonderregelungen (Steuererlasse) für Fahrzeuge, die neu gekauft und kurz danach exportiert werden. Dadurch kann sich bereits beim Kauf eine erhebliche Ersparnis ergeben.

Hinzu kommt, dass Olim Chadashim (Neueinwanderer) bei der Einfuhr eines Autos von reduzierten Abgaben profitieren. Bei einem älteren Auto fällt dieser Vorteil wesentlich geringer aus.

Auch ist der Schiffstransport nach Israel günstiger, als viele zunächst annehmen.

Es lohnt sich also, diese Sachverhalte abzuklären und sich über den Verkauf des bisherigen Autos und den Kauf eines neuen kurz vor seiner Abreise Gedanken zu machen.

Wird das eingeführte Auto innerhalb einer vorgeschriebenen Frist wieder verkauft, müssen allerdings die bei der Einfuhr gewährten Vergünstigungen zurückbezahlt werden. Bei einem neuen Auto dürfte das in diesen ersten Jahren jedoch kaum ein Thema sein. Danach, jedoch, wird der Verkaufswert des neueren Autos deutlich höher sein, als der eines älteren Fahrzeugs.

Aber eines sollte beachtet werden: Wird das anvisierte Modell auf dem israelischen Markt gehandelt? Wenn nicht, kann die Beschaffung von Ersatzteilen problematisch werden.


Beim Packen ist wichtig zu wissen, dass die meisten derartigen Einfuhren zollfrei sind und dass man bei der vom Staat bezahlten Anreise (als Oleh Chadash) recht viel Gepäck kostenlos mitnehmen kann. Diese Regeln können sich ändern, man sollte sich also über den aktuellen Stand informieren.

In diesem Zusammenhang rate ich auch, sich über die Kosten eines Schiffscontainers zu informieren. Vermutlich sind diese tiefer, als ihr zunächst denkt.

Allerdings braucht ein solcher Container einige Wochen, bis er in Israel eintrifft und vom Zoll freigegeben wird.

Ich selbst habe mich damals deshalb entschieden, rigoros alles in einen Container zu verladen und erst hier zu entscheiden, was ich wirklich noch brauche und was ich verkaufen oder wegwerfen kann. Das hängt auch mit der Qualität mancher Dinge zusammen: Sie wären hier zwar nicht allzu teuer erhältlich, jedoch nicht unbedingt in der Qualität, die ich aus der Schweiz gewohnt bin.


Strom und Steckdosen: Israel hat 230 V/50 Hz und den israelischen Steckertyp H. Für einen Einwanderer mit einem Container voller europäischer Elektrogeräte ist das relevant. Ich habe deshalb mehrere Steckerleisten eingepackt, an welchen ich dann bloss jeweils einen Stecker auswechseln musste. Ich benutze diese noch heute.

Smartphone

Israel ist recht gut mit Mobilfunk abgedeckt, allerdings gibt es auch Gebiete – zum Beispiel in der wenig bewohnten Negev – wo du keine Verbindung haben wirst.

In Ortschaften wirst du jedoch fast überall eine WiFi-Verbindung finden. Vielerorts ohne Passwort verfügbar und wo es passwortgeschützt ist – zum Beispiel in einem Restaurant – wird man dir problemlos die Geheimniesse des WiFis verraten.


Fast alle Israelis haben die folgenden Apps installiert und ich empfehle dir, das ebenfalls zu tun:

  • WhatsApp: Die meisten kommunizieren hier per WhatsApp. Doch das ist heute (2026) so und kann sich ändern.
  • Waze: Waze (eine ursprünglich israelische App) ist deutlich weiter verbreitet als andere Karten-Apps. Für Autofahrer empfehle ich es, weil es aktuelle Verkehrssituationen und Staus besser anzeigt und einem Umgehungen anbietet.
  • Moovit: Das ist die App für den öffentlichen Verkehr. Sie zeigt einem nicht nur die besten Verbindungen an, sondern lässt sich mit einer Kreditkarte verbinden, so dass sich damit die Benutzung des ÖVs bezahlen lässt.
  • Pango: Damit bezahlt man seine Parkgebühren. Dies entsprechend der effektiven Parkdauer, da die App erkennt, wann man wieder wegfährt. Auch gebührenpflichtige Strassen können damit bezahlt werden. Die App kann mit einer Kreditkarte verknüpft werden und die Gebühren werden einem monatlich in Rechnung gestellt. Ohne israelische SIM-Karte ist Pango derzeit jedoch nicht möglich. Ein Tourist informiert sich deshalb am besten gleich bei seiner Autovermietung, wie er seine Parkgebühren bezahlen kann.
  • Red Alert ist die Alarm App. Ein Muss in Israel.
  • Home Front Command ist die App, die Verhaltensregeln bei drohenden Angriffen anzeigt und einen entsprechend warnt. Auch ein Muss in Israel.

Die Warnungen von “Red Alert” und “Home Front” sollten unbedingt ernst genommen und die jeweiligen Anweisungen befolgt werden! Auch wenn sich manche Alarme im Nachhinein als für den eigenen Standort ungefährlich erweisen: Im Voraus weiss man das nicht.

Ich empfehle diese Apps auch deshalb, weil man zu Beginn relativ oft die Hilfe anderer benötigt. Bei diesen Apps findet sich fast immer ein Israeli, der sie kennt.

Dasselbe gilt für die Einrichtung (das Setup) der Apps, denn die meisten werden einem vorerst auf Hebräisch angezeigt. Wenn man sie bereits installiert hat, wird sich – zum Beispiel am Flughafen, während man auf sein Gepäck wartet – sicher ein ebenfalls wartender Israeli finden, der die App optimal für dich einstellt.

⇒ Eine sinnvolle Beschäftigung während des Wartens. ☺️


Bereits am Flughafen kann man sich eine israelische SIM-Karte beschaffen. Für Einwanderer würde ich jedoch empfehlen, das nicht zu tun, denn es kommt billiger, sich später in einem Handy-Shop eine echte israelische Telefonnummer zu besorgen. Bis dahin ist man mit seiner alten SIM-Karte und WiFis relativ gut abgedeckt.

Behörden

Ich kenne keinen Israeli, der sich nicht heftig über die Behörden beklagt, und ich selbst kann davon ein Lied singen: Sie können einen zur Verzweiflung bringen. Das liegt nicht bloss an ihrem Formularkrieg (Formulare, die oft nur in Hebräisch und Arabisch abgefasst sind und die man dann entsprechend ausfüllen muss), sondern auch an der telefonischen Erreichbarkeit: Eine einfache, kurze Frage kann einen auf ewig in einer musikalisch untermalten Endlosschleife gefangen halten.

Die Staatsangestellten scheinen nicht zu wissen, dass wir es sind, die ihre Saläre bezahlen, und dass sie für uns arbeiten und nicht umgekehrt. Doch was willst du tun? Es führt kein Weg an ihnen vorbei.

Hier also: Viel Geduld und gute Nerven! Wir sind nicht in der Schweiz, wo diese Angestellten ihre Aufgabe kennen und in aller Regel auch zügig erfüllen.

Gesundheit

In Israel sind diesbezüglich zwei Versicherungen obligatorisch: die staatliche Sozialversicherung Bituach Leumi, über die unter anderem auch Beiträge zur Krankenversicherung erhoben werden, und die Mitgliedschaft in einer der vier Krankenkassen (Kupot Cholim), die man selbst auswählt und über welche die eigentliche medizinische Versorgung erfolgt.

Gewisse private Kassen haben einen guten Ruf, andere weniger, doch darauf sollte man vielleicht nicht allzu sehr achten: Entscheidend ist die Niederlassung an deinem Wohnort. Bei ihr und den Ärzten, die sie anbietet, sollst du dich gut aufgehoben fühlen.


Mit gesundheitlichen Abrechnungen wirst du dich kaum je befassen müssen: Soweit Leistungen zwischen deiner Krankenkasse und Bituach Leumi abzurechnen sind, geschieht dies in aller Regel direkt zwischen den beteiligten Stellen. Wer letztendlich was bezahlt, muss dich deshalb kaum kümmern.

Viel allgemeiner lässt sich das kaum beschreiben, denn die Organisation unterscheidet sich von Krankenkasse zu Krankenkasse und teilweise auch von Niederlassung zu Niederlassung. Jetzt, bei Clalit, habe ich beispielsweise einen “Family Doctor”, der für mich fast immer die erste Anlaufstelle ist. Bei Meuhedet, wo ich zuvor versichert war, kannte ich dieses System in dieser Form nicht.


Generell ist dazu zu sagen, dass das Gesundheitssystem in Israel sehr gut ist. Mehrere israelische Spitäler rangieren international an der Spitze und die Ärzte sind auf ihren jeweiligen Spezialgebieten zumeist sehr gut ausgebildet.

Autofahren

Der Schutz der Fussgänger hat in Israel einen sehr hohen Stellenwert! Wer zu Fuss vor einem Zebrastreifen auf seinem Smartphone noch den Stadtplan sucht, um zu entscheiden, in welche Richtung er weitergehen will, wird oft feststellen, dass die Autos anhalten. Und warten, bis er sich entschieden hat.

Die Missachtung dieses Vortrittsrechts kann einen als Autofahrer teuer zu stehen kommen!


Anders als viele meinen, ist die Benutzung der Richtungsanzeiger in Israel nicht verboten. Sie sind zwar serienmässig in allen Autos eingebaut, doch die meisten Autofahrer haben deren Funktion noch nicht entdeckt. Jedenfalls sollte man solchen Blinkern niemals vertrauen: Manchmal blinken sie links, manchmal rechts, manchmal gar nicht, doch mit einer Abbiegeabsicht hat das nichts zu tun.

Wer als Neueinwanderer trotzdem blinkt, muss jedoch keine Angst haben: Man verliert durch deren Benutzung weder die israelische Staatsbürgerschaft noch den Führerschein. 😊


Auf Autobahnen beträgt die Höchstgeschwindigkeit 110 km/h, ausser es sei etwas Anderes signalisiert.

Die Tachos in nahezu allen Autos zeigen eine etwas zu hohe Geschwindigeit an (etwa 10%). Das lässt sich während der Fahrt mit einem GPS überprüfen. Ich selbst stelle deshalb meinen Tempomaten auf etwa 125 km/h ein. Damit bin ich bislang problemlos unterwegs. Das ist allerdings meine persönliche Erfahrung mit meinem eigenen Auto und keine allgemeine Empfehlung.


Auf Autobahnen gilt in Israel dieselbe Regelung wie in den meisten europäischen Ländern: rechts fahren, links überholen.

Doch aufgepasst: Daran halten sich die wenigsten! Man muss damit rechnen, sogar auf dem Pannenstreifen überholt zu werden. Dies gilt ganz besonders für Motorräder, die auch ansonsten (leider!) allzu gerne übersehen werden.

Ich selbst fahre auf Autobahnen in aller Regel auf dem Fahrstreifen ganz rechts, denn dort hat man die ruhigste Fahrt und ist am schnellsten unterwegs. Wenn die Autos links von mir langsamer fahren oder abbremsen, dann soll das ihr Problem sein, nicht meines. 😊


Theoretisch gilt in Israel Rechtsvortritt – in der Praxis fordert jedoch oft derjenige Vortritt, der die Nase weiter vorn oder das grössere Auto hat.


Unbeholfene Parkierversuche oder ein Schwatz mit einem Bekannten auf dem Gehsteig gehören in Israel zum “fliessenden Verkehr”. Hier gilt: Keep smiling – dein Leben wird trotzden weitergehen.

Hast du es eilig, hast du einen wichtigen Termin? Dann fahre unbedingt früher ab. Unverhoffte Staus sind alltäglich. Die grossen israelischen Strassen sind sozusagen dauerüberlastet.

Dazu übrigens: Auf Waze lässt sich eine anvisierte Ankunftszeit einstellen. Nutze diese Funktion, denn Waze berücksichtigt die aktuelle Verkehrssituation und wird dir sagen, wann du abfahren sollst.

Einkaufen

Was ich ganz besonders schätze, ist, dass in praktisch allen Supermärkten und grösseren Handelsketten die Kashrut eine Selbstverständlichkeit ist. Damit entfällt das mühsame Entziffern des Kleingedruckten auf den Etiketten und das Abgleichen mit Koscherlisten, die man in der Diaspora stets mit sich getragen hat.

Ich begrüsse auch den Druck, der damit auf internationale Produzenten ausgeübt wird, die im israelischen Markt Geschäfte machen wollen. Davon profitieren letztlich auch Juden in der Diaspora.

Das gilt zwar vielerorts so, doch nicht überall! Bei kleineren Geschäften sichert man sich besser ab, indem man nach dem Zertifikat fragt. Oftmals sind diese sichtbar irgendwo aufgehängt.

Dasselbe gilt für Restaurants. Allerdings sind koschere Restaurants in der Mittelmeerregion manchmal schwer zu finden: Wer am Strand hungrig wird, sollte sich früh auf die Suche machen!


Generell ist die Beachtung der Kashrut regional sehr unterschiedlich. Während man sich entlang der Mittelmeerküste manchmal fragt, ob die Bewohner überhaupt wissen, was das ist, sind in ländlichen Regionen die Produkte oft zwar koscher (Indiz: Angestellte mit Kippot), doch nirgendwo ist ein Zertifikat zu sehen.

Das hängt damit zusammen, dass solche Zertifikate nicht kostenlos sind und kleinere Geschäfte diese Ausgaben scheuen. Zudem kennen die lokalen Bewohner ihre Geschäfte und wissen auch ohne sichtbares Zertifikat Bescheid.

In solchen Fällen: Scheut euch nicht, nachzufragen. Man wird euch diese Frage nicht übel nehmen und ihr werdet in aller Regel eine ehrliche Antwort erhalten.

Sprache

Die hebräische Schrift geht bekanntlich von rechts nach links. Viele sind es gewohnt, wichtige Dokumente in Ordnern abzulegen. Daher unsere Gewohnheit, solche Dokumente links zu lochen und im Ordner chronologisch so abzulegen.

Nun werden neue Dokumente dazukommen. Ich empfehle, diese von Beginn an rechts zu lochen und in einem neuen Ordner abzulegen, der dann von rechts nach links gelesen wird.

Das hilft auch beim Griff nach dem richtigen Ordner. Das ist eine Kleinigkeit, die ich selbst missachtet habe und ich ärgere mich noch heute darüber, wenn ich einen bestimmten Ordner teilweise von links nach rechts und teilweise umgekehrt durchblättern muss.


Die hebräische Sprache ist eine logische und eigentlich einfache Sprache. Trotzdem ist sie anfangs nicht leicht zu erlernen, denn sie unterscheidet sich wesentlich von den westlichen Sprachen, die wir vielleicht bereits in der Schule gelernt haben.

Die allermeisten hebräischen Wörter basieren auf einer Wortwurzel aus drei Buchstaben, dem „Shoresh“ (שורש). Aus diesen Buchstaben werden nach bestimmten Regeln Substantive, Verben und Adjektive gebildet. Wenn man diese Regeln einmal kennt (derart viele sind es nicht) erschliesst sich aus einer einzigen Wortwurzel bereits eine ganze Familie von Wörtern.


Befremdlich ist anfangs auch, dass Adjektive unterschiedliche männliche und weibliche Formen haben und zusätzlich zwischen Singular und Plural unterscheiden.

Ein einfaches Beispiel ist das bereits bekannte Wort tov (gut): tov, tova, tovim, tovot – je nachdem, ob das zugehörige Substantiv männlich oder weiblich ist und im Singular oder Plural steht. Deshalb heisst es beispielsweise “Shana Tova” (Shana – Jahr – ist weiblich) aber “Yom Tov” (Yom – Tag – ist männlich).

Als Faustregel – allerdings mit zahlreichen Ausnahmen – kann man davon ausgehen, dass Wörter, die auf a/ah oder t enden, weiblich sind; die übrigen sind meist männlich. Ähnliche Endungsmuster findet man auch bei Vornamen.


Wer’s noch nicht kann, dem empfehle ich dringend, erst die hebräische Druckschrift zu lernen. Wenn man jeden Tag 5 Buchstaben lernt, beherrscht man sie nach rund einer Woche. Es lohnt sich!


Wer die hebräische Sprache erlernen will – und ich hoffe, das tun alle Olim Chadashim (jüdische Einwanderer) – dem empfehle ich natürlich einen „Ulpan“, eine Sprachschule. Zumindest bis zur Stufe A sollte man das meiner Meinung nach tun. Danach werden sich die Sprachkenntnisse durch den täglichen Gebrauch und den Kontakt mit anderen weitgehend von selbst weiterentwickeln.

Ich selbst tue das auch dadurch, dass ich Wörter, die ich öfters höre oder selbst verwenden möchte, nachschlage und mir dann merke. Hierbei finde ich – neben dem Google Translator – die Seite Pealim.com sehr hilfreich, weil sie mir zusätzlich andere Formen desselben Wortes anzeigt.

Ein Beispiel: ללמוד (lilmod) – lernen/studieren. Pealim zeigt dazu nicht nur die Bedeutung, sondern auch die verschiedenen Konjugationsformen und verwandte Begriffe.

Allerdings gibt es diese Seite – wie viele andere Übersetzungshilfen auch – nur auf Englisch.

Shabbat und Feiertage

An den Feiertagen wird man sofort erkennen, dass man sich in einem jüdischen Land befindet. Längst nicht alle Juden begehen jeden Feiertag, doch die in der Torah genannten Feiertage Pessach, Shavuot, Rosh HaShana, Yom Kippur und Sukkot prägen sichtbar das öffentliche Leben in Israel. Auch der wöchentliche Shabbat muss dazugezählt werden, denn gemeinsam mit Yom Kippur nimmt er eine besonders hohe Stellung ein.

Der Shabbat wird (leider) am wenigsten eingehalten, doch an Yom Kippur ist deutlich zu erkennen, dass das öffentliche Leben weitgehend stillsteht: Die Strassen sind zumeist leer und selbst auf den Autobahnen sieht man oft Fussgänger.

Wichtig zu wissen ist, dass vielerorts an jüdischen Feiertagen keine öffentlichen Verkehrsmittel verkehren. Das gilt auch für Shabbat, also ab Freitagabend bis Samstagabend.

Öffentlicher Verkehr

Der öffentliche Verkehr in Israel ist gut ausgebaut und wird laufend weiter verbessert. Busse verkehren praktisch überall und das Eisenbahnnetz wird kontinuierlich ausgebaut. In den grösseren Städten kommen zunehmend moderne Nahverkehrssysteme hinzu.


Eine Besonderheit sind die PA-Gebiete: Zone A ist für israelische Staatsbürger grundsätzlich tabu. In Zone B verkehren teilweise kugelsichere Busse, deren Fahrer in aller Regel Araber sind. Sie kennen sich dort besser aus und haben naturgemäss weniger Probleme im Umgang mit der palästinensischen Bevölkerung.

Menschen mit Behinderungen

Auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen wird in Israel stark Rücksicht genommen. Es gibt viele speziell gekennzeichnete Behindertenparkplätze, deren unberechtigte Benutzung mit sehr hohen Bussen geahndet wird. Entsprechende Ausweise gewähren zudem verschiedene Erleichterungen; je nach Berechtigung beispielsweise das Recht, Warteschlangen zu umgehen. Auch im öffentlichen Verkehr und bei öffentlichen Einrichtungen gibt es zahlreiche besondere Regelungen und Hilfen.

Wer darauf angewiesen ist, sollte sich deshalb frühzeitig erkundigen, welche Ausweise und Vergünstigungen ihm zustehen.

Die Israelis

Oft machen Israelis auf den ersten Blick einen mürrischen oder abweisenden Eindruck. Davon sollte man sich jedoch nicht beirren lassen: Ein freundliches Wort oder ein kleiner Witz kann das in Sekundenschnelle ändern.

Hierbei wird es sehr gerne gesehen, wenn jemand sich die Mühe gibt, wenigstens ein paar Worte Hebräisch zu sprechen. Und wenn es auch nur diese sind:

  • Shalom (שלום)Hallo / Guten Tag
  • Ma nishma? (מה נשמע?)Wie geht’s? (wird fast häufiger gesagt als Shalom)
  • Toda (תודה)Danke, Toda raba (תודה רבה)Vielen Dank
  • Bevakasha (בבקשה)Bitte / gern geschehen
  • Slicha (סליחה)Entschuldigung / Verzeihung / Sorry
  • Ken (כן)Ja, Lo (לא)Nein
  • Besseder (בסדר)Okay / in Ordnung
  • Tov (טוב)gut. Oft wird gesagt: “Tov, besseder”, oder: “Tov, sababa”
  • Eifo…? (איפה…?)Wo ist…?
  • Po (פה)hier, Sham (שם)dort
  • Yesh po…? (יש פה)Gibt es hier…? (Eifo yeshWo gibt es…? Wo finde ich…?)
  • Smola (שמאלה)links / nach links, Yamina (ימינה)rechts / nach rechts, Yashar (ישר)geradeaus
  • Cama? (כמה?)Wie viel?
  • Sababa (סבבה)Super / alles gut / cool (ist eigentlich nicht Hebräisch, sondern Arabisch)
  • Lehitraot (להתראות)Auf Wiedersehen
  • Yom tov (יום טוב)Einen schönen Tag noch
  • Chag sameach (חג שמח)Frohes Fest (vor Festtagen)
  • Yalla (יאללה)Los! / Auf geht’s! / Mach schon! (ist eigentlich nicht Hebräisch, sondern Arabisch)

Das sind wohl die wichtigsten Worte, die ein Neuankömmling so brauchen wird. Ebenfalls hilfreich sind einige einfache Floskeln:

  • Ata mevin Anglit? (אתה מבין אנגלית?) – Verstehst du Englisch? (zu einem Mann)
  • At mevina Anglit? (את מבינה אנגלית?) – Verstehst du Englisch? (zu einer Frau)
  • Atem mevinim Anglit? (אתם מבינים אנגלית?) – Versteht ihr Englisch? (zu mehreren Personen)
  • Slicha, ani lo mevin (tov) Ivrit. (סליחה, אני לא מבין (טוב) עברית)Entschuldigung, ich verstehe (nicht gut) Hebräisch (als Mann).
  • Slicha, ani lo mevina (tov) Ivrit. (סליחה, אני לא מבינה (טוב) עברית)Entschuldigung, ich verstehe (nicht gut) Hebräisch (als Frau).

Ersteres ist höflicher, als auf jemanden einzuschwatzen, der Englisch gar nicht versteht, und Letzteres ist sehr hilfreich, wenn man zum Beispiel von einem Polizisten angesprochen wird. 😄


Kippot: Es gibt nichtjüdische Männer, die in Israel – manchmal auch anderswo – eine Kippa tragen. Sie tun dies zumeist in guter Absicht, etwa um ihre Solidarität mit Juden oder Israel zu zeigen.

Doch das hat einen Haken: Wer eine Kippa trägt, wird von anderen als observanter Jude wahrgenommen, als jemand, der sich – zum Beispiel – an die jüdischen Speise- und Verhaltensregeln hält.

Wer nun mit einer Kippa in einem treifen (nicht koscheren) Restaurant isst, könnte dadurch bei anderen Juden den Eindruck erwecken, das Restaurant sei koscher. Schliesslich sitzt dort offensichtlich ein observanter Jude beim Essen – also wird es wohl in Ordnung sein.

Für mich ist das übrigens ein Grund, weshalb ich im Ausland oft keine Kippa trage oder sie gelegentlich in der Tasche verschwinden lasse, denn einen anderen Juden dazu zu verleiten, ein Gebot zu übertreten, wiegt schwerer, als dieses Gebot selbst zu übertreten.


In ein paar Monaten wirst du dich fürs Erste in Israel eingerichtet haben. In deinem Zuhause fehlt nichts Wichtiges mehr, du hast eine Bankverbindung und eine Krankenkasse eingerichtet, du kennst deine TZ (Nummer deiner ID) und deine Telefonnummer (auf Hebräisch) auswendig und hast den ersten Berg an Papierkram hinter dir.

Du wirst auch die ersten Nachbarn kennengelernt haben, mit denen du dich unterhalten kannst und die dir als Noch-Neuling behilflich sein können. Doch ein “Israeli” bist du damit noch lange nicht. Das wird länger dauern und nur in kleinen Schritten geschehen.

Zwei Punkte sind hierzu erst einmal besonders wichtig: die Sprache und israelische Freunde.

Gute Bekannte sind noch keine guten Freunde. Dazu braucht es mehr und das wird gänzlich ohne Hebräischkenntnisse schwierig. Ausser du hast dich für eine Wohngegend entschieden, in der bereits viele andere aus deinem Sprach- und Kulturkreis leben.

In Israel kursiert dazu der Witz: “In Netanjah spricht man französisch und russisch, in Beit Shemesh englisch”

Das Problem dabei ist jedoch: So wirst du nie zu einem Israeli – du bleibst der Russe, Franzose, Amerikaner oder Deutsche, der du zuvor schon warst. Ich kenne persönlich einige, die sich für so etwas entschieden haben. Doch nicht wenige von ihnen haben ihr Projekt nach mehreren Jahren aufgegeben und sind wieder abgereist: Aliyah gescheitert.

Zugegeben: Eine richtige Integration ist schwierig und anstrengend und ich verstehe sehr gut, dass man sich zunächst davor fürchtet und sich dagegen sträubt. Eine gute Strategie könnte deshalb sein, sich für die erste Zeit bloss ein temporäres Zuhause zu suchen und sich erst in einem zweiten Schritt von dort aus nach einem definitiven Wohnort umzusehen.

Bei mir selbst hat diese erste Phase zu lange gedauert: 9 Jahre lang habe ich in Har Adar gewohnt. Erst danach bin ich in den Norden umgezogen und erst hier fühle ich mich wirklich glücklich und zuhause. Allerdings waren es private Gründe, die mich damals daran gehindert hatten, diesen Schritt schon früher zu unternehmen.

Also erst nach neun Jahren zu einem “Israeli” geworden?

Nein, so stimmt es nicht. Dass ich längst einer geworden war, ist mir vor einigen Jahren während eines Urlaubs in der Schweiz plötzlich aufgefallen: Zwar kannte ich die Sprache und die Geografie, hatte dort meine alten Freunde und meine Stammkneipen – doch all dies kam mir unglaublich fremd vor.

“Was tue ich hier? Was habe ich hier überhaupt verloren?”, ging es mir durch den Kopf. Die Schweiz? Ja, sehr schön – aber höchstens noch als Tourist…

Das ist ein deutliches Zeichen, dass man inzwischen, fast unbemerkt, zu einem Israeli geworden ist.

Termine und Pünktlichkeit

“Du sollst nicht stehlen” – Auch jemandem unnötig Zeit zu stehlen, ist eine Form des Stehlens: Verstrichene Zeit lässt sich nicht zurückgeben. Leider wird das unter Israelis nur wenig beachtet: Pünktlichkeit ist eine schweizerische Eigenschaft, keine israelische.

Essen

Das israelische Essen hat einen sehr guten Ruf. Es ist geprägt von den vielen Herkunftsländern der heimgekehrten Juden. Insbesondere Gerichte und Zutaten aus dem gesamten Mittelmeerraum verschmelzen dabei zu einer interessanten “israelischen Küche”.

Da die Geschmäcker sehr verschieden sind, werde ich dazu nicht mehr schreiben und die Freude des Ausprobierens und Entdeckens ganz euch überlassen.


Ein erheblicher Teil des Trinkwassers in Israel stammt heute aus entsalztem Meerwasser. Leitungswasser ist grundsätzlich trinkbar und seine Qualität wird vom Gesundheitsministerium laufend kontrolliert. Allerdings sind nicht überall die lokalen Wasserleitungen und Hausinstallationen in gleich gutem Zustand. Ich rate deshalb, sich am jeweiligen Wohnort danach zu erkundigen.

Genug zu trinken ist in Israel sehr wichtig (Ärzte raten zu mindestens etwa 1.5 bis 2 Liter Wasser täglich, wobei der Bedarf stark von der Jahreszeit und der Tätigkeit abhängt und im Sommer entsprechend höher sein kann). Fast überall findet man deshalb Wasserspender, an denen Trinkwasser kostenlos erhältlich ist. Wenn man also in einer Agglomeration zu Fuss unterwegs ist, braucht man keine Wasserflaschen mit sich mitzuschleppen. Für Wanderungen gilt das so selbstverständlich nicht.

Geld und Preise

In Israel wird sehr viel mit Kreditkarte bezahlt, selbst kleinste Beträge. Eine solche Karte ist auch wichtig, wenn man sie mit automatischen Abrechnungen verknüpfen möchte: Parkgebühren, öffentlicher Verkehr, Stromrechnung, usw.

Zudem wird der Bargeldverkehr in Israel zunehmend eingeschränkt und für Barzahlungen gelten gesetzliche Höchstbeträge. Ich selbst trage beispielsweise kaum je mehr als etwa 100 ILS Bargeld mit mir.


In den meisten Restaurants ist das Trinkgeld in den Preisen nicht inbegriffen. Das Service-Personal hat oft nur bescheidene Saläre und lebt zu einem erheblichen Teil vom Trinkgeld. Als Minimum sind 10% üblich. Dieses kann oftmals direkt der Rechnung hinzugeschlagen und mit der Kreditkarte bezahlt werden.


Im Allgemeinen wird man feststellen, dass das durchschnittliche Preisniveau etwa demjenigen in europäischen Ländern entspricht. Gewisse Dinge sind teurer, andere dafür billiger.

Übrigens ist Eilat eine mehrwertsteuerfreie Zone und bei grösseren Anschaffungen kann sich ein Kurzurlaub am Roten Meer durchaus lohnen.

Sicherheit

In Israel wirst du ungewohnt viele aussergewöhnlich attraktive junge Männer und Frauen treffen. Wenn du dir vorgenommen hast, als Single das Zeitliche zu segnen, solltest du dir gut überlegen, ob du wirklich nach Israel einwandern willst.

Du wurdest gewarnt! 😊


Es wird dir auffallen, dass du bei vielen Einkaufszentren oder Verwaltungsgebäuden zunächst einen Metalldetektor passieren musst und oft auch deine Taschen durchleuchtet werden. Auch dass du viele bewaffnete Menschen – Soldaten, Polizisten, aber auch Private – sehen wirst, mag dich zu Beginn beunruhigen.

Das sollte es jedoch nicht: Es dient deiner SIcherheit! Sehr viele Juden sagen, dass sie sich nirgends so sicher fühlen wie in Israel und das hat seine Berechtigung. Gerade bewaffnete Privatpersonen konnten schon oftmals Terrorattacken stoppen bevor die Polizei überhaupt eingetroffen war.


Die wichtigen Notrufnummern in Israel sind:

  • 100 – Polizei
  • 101 – Magen David Adom (Sanitätsnotruf)
  • 102 – Feuerwehr

Was ich am meisten vermisse

Gibt es nach all diesen Jahren Dinge aus der Schweiz, die ich in Israel vermisse? Natürlich! Einige sogar sehr!

Ich vermisse oft die schweizerische Seriösität, die Pünktlichkeit, die Qualität und die seriöse Arbeitsmoral. Dies wird jedoch aufgehoben durch eine Leichtigkeit des Seins und eine natürliche Spontaneität. Man kann eben nicht alles haben. ☺️

Und dann vermisse ich die schweizerische Seenwelt. In der Schweiz hatte ich ein Motorboot und eine kleine Segelyacht und ich liebe das Leben auf dem Wasser. Hier jedoch sind meine Lizenzen nicht gültig und es gibt dafür auch nicht genug Seen.

Auch die schweizerische Bergwelt vermisse ich.

Meine alte BMW R 1150 R.

Diesbezüglich habe ich besonders die Bergwanderungen geliebt und auch die Passfahrten mit meinem Motorrad. Hier gibt es eine solche Bergwelt nicht und bezüglich des Motorrads ist es vielleicht ganz gut, dass ich keines mehr habe: Erstens gibt es keine solchen Pässe und zweitens ist Motorradfahren grundsätzlich gefährlicher als in der Schweiz. Ich liebte einen eher forschen Fahrstil. ☺️

Vermisse ich meine alten Freunde? Erstaunlicherweise nicht so sehr. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass sich unsere Leben in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Unser Denken, unsere Gefühlswelt und selbst die Themen, über die wir uns früher gerne unterhalten haben, sind nicht mehr dieselben.


Bei diesem Artikel lasse ich die Kommentarfunktion ganz bewusst offen. Wer Fragen, eigene Erfahrungen oder weitere Tipps hat: Her damit ☺️. Wir werden sie sammeln und diesen Ratgeber laufend ergänzen.


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