Nahostkonflikt – Indoktrination bereits im Schulkindalter

Meine Tochter und ich sind uns in Bezug auf den Nahostkonflikt überhaupt nicht einig. Wir haben ansonsten eine sehr gute und auch enge Beziehung, doch bei diesem Thema debattieren wir heftig.

Es ist wohl nachvollziehbar, dass ich bei solchen Debatten engagierter debattiere als sie, denn – anders als sie – bin ich jüdisch und als in Israel lebend direkt betroffen.

Meine Einstellung bei solchen Debatten ist stets dieselbe: Wer eine Meinung vertritt, sollte sie mit Tatsachen und gesicherten Erkenntnissen untermauern können. Eine Meinung, die nicht begründet werden kann, kann (darf!) letztlich keinen Bestand haben.

Wenn wir darüber debattieren, verweise ich oft auf meine Kenntnisse über den Konflikt, dessen Hintergründe und Geschichte und ich interessiere mich sehr dafür, woher sie ihre Informationen bezieht.

Inzwischen bin ich auf eine der Quellen gestossen, die wohl in etlichen Schulen im DACH-Raum verwendet wird. Sie stammt aus der Publikation “Hanisauland – Politik für dich”, der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung. Die Publikation richtet sich an Schulkinder und wird vermutlich im gesamten DACH-Raum recht oft benutzt.

Ich erlaube mir, diesen Artikel hier zu kommentieren. Ich halte das für wichtig.

Die im Folgenden aufgezählten Kapitelüberschriften sind Zitate aus diesem Text. Doch bevor ihr euch in meine Kommentare vertieft, lest bitte erst den verlinkten Text als Ganzes.

Inhalt

1. “Die Golanhöhen (dunkel gestreift) sind seit 1967 von Israel besetzt. Völkerrechtlich gehören sie zu Syrien”

Hier muss man sich fragen, woher solche “Völkerrechtler” ihre Kenntnisse haben, denn mit internationalem Recht hat eine solche Behauptung nichts zu tun.

Die Wirklichkeit ist: Syrien befindet sich seit 1948 im Krieg mit Israel, anerkennt Israels Existenzrecht nicht und hat bislang alle Angebote zu Friedensverhandlungen zurückgewiesen. Die Grenzen zwischen zwei Staaten, von welchen der Eine das Existenzrecht des Anderen grundsätzlich bestreitet, sind nicht festgelegt.

Grenzen zwischen kriegsführenden Staaten werden in bilateralen Friedensverträgen festgelegt, nicht durch internationale Organisationen. Letztere sind dazu nicht ermächtigt.

Zudem stimmt die Bezeichnung “besetzt” nicht, denn dieses Gebiet ist 1981 von Israel annektiert worden. Besetzt und annektiert ist rechtlich nicht dasselbe.

2. “Mehr als 1300 Jahre vor unserer Zeitrechnung entwickelte sich in der Region die jüdische Religion”

Zwar stimmt das, doch es lenkt vom Thema ab: Es geht letztlich nicht um die jüdische Religion, sondern um das jüdische Volk.

Das jüdische Volk hat sich am Berg Sinai gebildet: Mit der in der Bibel erwähnten Übergabe und Anerkennung der Torah (der 10 Gebote, wie Christen wohl sagen würden) wurde gleichzeitig auch die Religion gegründet.

Wir Juden sind in erster Linie ein Volk. Ein Volk mit einer eigenen Religion. Also vergleichbar mit Drusen oder Jesiden. Auch diese sind in erster Linie ein Volk, ein Volk mit einer eigenen Religion.

Es ist falsch und gefährlich, uns als Religionsgemeinschaft darzustellen. Es sind nicht alle Juden religiös und (leider) längst nicht alle gehören dem Judentum (als Bezeichnung für unsere “Religion”) an.

3. “Auch für Muslime und Musliminnen ist Jerusalem von grosser Bedeutung”

Diese Behauptung stimmt so nicht. Sie ist historisch falsch.

Jerusalem (“Al Quds”) ist erst durch den arabischen Nazi und Hitler-Bewunderer Amin al Husseini, zeitlich parallel zum Holocaust in Europa, zu einem “islamischen Heiligtum” erklärt worden. Er tat dies aus politischen, nicht aus religiösen Gründen: Es sollte dazu dienen, die islamische Welt gegen das jüdische Volk aufzuwiegeln.

Auch Unterlassungen können manipulieren: Gegen Ende des 19ten Jahrhunderts bildeten Juden mit nahezu 80% der Bevölkerung die Mehrheit in Jerusalem. Die arabische Einwanderung begann erst später.

Das Vorenthalten dieser Information erweckt den Eindruck, Israel (in diesem Fall Jerusalem) sei arabisch gewesen und erst im Zuge des Holocaust vermehrt jüdisch besiedelt worden.

4. “Ende des 19. Jahrhunderts nahmen die Verfolgungen von Juden und Jüdinnen in Europa zu”

Das ist zwar nicht falsch, doch die ersten Juden, die in grösseren Wellen zurückkehrten, kamen nicht aus Europa, sondern aus arabischen Ländern, wo sie oft unterdrückt und auch vertrieben worden sind. Ab Mitte des 19ten Jahrhunderts waren das vor allem jemenitische und kurdische Juden.

Der internationale politische Erfolg der zionistischen Bewegung (durch Theodor Hertzl) wird zwar an und für sich korrekt dargestellt, es wird aber unterschlagen, dass die zionistische Bewegung Tausende von Jahren älter ist.

Zionismus ist seit dem Bestehen des jüdischen Volkes ein zentraler Bestandteil des jüdischen Selbstverständnisses. Dieses gründet seit jeher auf drei gleichwertigen Komponenten: Dem Volk (Abstammung), der “Religion” (Judentum) und dem Heimatland (Israel).

Der erste Zionist, lässt sich zweifelsfrei behaupten, war Abraham, als er “G’ttes Aufforderung” nach einer Ansiedlung im heutigen Israel befolgt hat und viele unserer “Mitzwot” (die 613 religiöse Regeln) können nur in Israel befolgt und gelebt werden.

Ein wirkliches jüdisches Leben in der Disapora ist damit grundsätzlich nicht möglich.

5. “1947 beschlossen die Vereinten Nationen, Palästina zu teilen: Jüdinnen und Juden und die arabische Bevölkerung sollten jeweils in einem eigenen Staat leben”

Hier wird unterschlagen, dass das britische Mandatsgebiet bereits zuvor (1921) in einen arabischen Teil (Transjordanien, fast 80%, das heutige Jordanien) und einen jüdischen Teil (Cisjordanien, knapp 20%, als übrig gebliebene “nationale Heimat für das jüdische Volk”) aufgeteilt worden ist.

Ab 1922 wurde nur noch das ehemalige Cisjordanien als “Palästina” bezeichnet.

Zudem wird hier unterschlagen, dass die Juden diesen Vorschlag damals angenommen, die Palästinenser ihn jedoch strikt abgelehnt haben. Bereits damals forderten sie nicht einen Teil des Landes, sondern gleich wie auch heute noch das ganze Land “From the River to the Sea”.

Zudem stimmt es nicht, dass diese Resolution zwei Staaten für zwei Völker vorgesehen hat. Die Aussage, “Jüdinnen und Juden und die arabische Bevölkerung sollten jeweils in einem eigenen Staat leben“, ist schlicht falsch: Es war ausdrücklich kein Bevölkerungsaustausch vorgesehen.

6. “Das betraf sowohl Palästinenserinnen und Palästinenser als auch Jüdinnen und Juden”

Diese Ausdrucksweise ist manipulativ, denn 1948 waren es in Wirklichkeit die Juden die als “Palästinenser” bezeichnet worden sind. Die heutigen “Palästinenser” gibt es erst seit 1964. 1948 wurden sie noch als “(palästinensische) Araber” bezeichnet.

Zahlen wären in diesem Absatz hilfreich: Betroffen waren rund 900’000 Juden, die aus arabisch/islamischen Ländern und aus jordanisch und ägyptisch eroberten Teilen Cisjordaniens (“Palästinas” / Israels) vertrieben worden sind (sie bilden heute die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung Israels) und rund 600’000 Araber, die sich heute als “Palästinenser” bezeichnen.

Solche Wortwahlen und Unterlassungen erwecken den Eindruck, dass es nur “von Israel vertriebene, recht- und heimatlose Palästinenser” gibt, wenn sie in Tat und Wahrheit doch palästinensische Araber sind und in ihrem Teil des ehemaligen Mandatsgebietes (Jordanien) mit über 70% die Bevölkerungsmehrheit bilden.

Damit, dass sie in ihrem eigenen Land kaum politische Rechte haben und von einem ortsfremden Königshaus aus Saudi-Arabien (Haschemiten) beherrscht werden, hat Israel nicht zu tun.

7. “1967 eroberte Israel die palästinensischen Gebiete und hält diese teilweise bis heute besetzt.

Das trifft so nicht zu. Diese Gebiete waren nicht “palästinensisch”, sondern jordanisch. Sie waren (illegal) von Jordanien besetzt (annektiert), wobei alle dortigen Juden getötet oder vertrieben und enteignet worden sind.

Zudem ist heute nur die Zone C von Israel besetzt, die (judenreinen) Zonen A und B sind von Arabern (“Palästinensern”) besetzt.

8. “Beispielsweise sind die Auseinandersetzung um jüdische Siedlungen im palästinensischen Westjordanland und gewalttätige Angriffe von jüdischen Siedler/-innen bis heute ein großer Streitpunkt zwischen Israel und Palästinensern”

Das ist eine sehr manipulative Aussage.

  • Das ehemalige Westjordanland ist keineswegs “palästinensisch”. Es ist dies nur zum Teil.
  • Es gibt keine jüdischen Siedlungen in den “palästinensischen Gebieten”.
  • Die “palästinensischen Gebiete” sind in den Oslo-Abkommen (ab 1993) völkerrechtlich klar und verbindlich festgelegt: Es sind die Zonen A und B der ehemaligen Westbank (seit 2005 gehört auch der Gaza-Streifen dazu).
  • Des weiteren gibt es rund 100x mehr palästinensische Gewalt gegen Juden als umgekehrt. Das zu unterschlagen ist Manipulation.

9. “Doch bis heute wurden die Hoffnungen vieler Menschen auf Frieden immer wieder enttäuscht”

Hier wird das “Warum” nicht erklärt: Es gab mehrere Angebote zu einem eigenen palästinensischen Staat, doch alle sind sie von den Palästinensern zurückgewiesen worden.

In diesem Zusammenhang müssten zumindest die “3 Nein” von Khartoum der arabischen Liga (1967) erwähnt werden:

  • kein Frieden mit Israel,
  • keine Verhandlungen mit Israel,
  • keine Anerkennung Israels.

Als sich Ägypten im Zuge der Friedensverhandlungen mit Israel von diesen “3 Neins” distanziert hat, wurde es sofort aus der arabischen Liga ausgeschlossen.

10. “Am 7. Oktober 2023 überfielen ihre Kämpfer israelische Orte in der Nähe des Gazastreifens”

Das ist nicht korrekt: Nur etwa 1/3 waren Hamas-Kämpfer. Rund 1/3 waren Mitglieder anderer Terrorgruppen und rund 1/3 waren Zivilisten.

11. “Etwa 1,9 Millionen Menschen im Gazastreifen wurden durch den Krieg aus ihren Häusern vertrieben, etwa 70.000 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet”

Diese Zahlen sind grundfalsch. 1.9 Mio wäre praktisch die gesamte gazanische Bevölkerung, doch vertrieben wurden nur etwa 500’000. Diese Zahl ist also 4x zu hoch angesetzt.

Und die 70’000 Getöteten sind Zahlen der Hamas, sie sind nirgendwo anders bestätigt.

Rund die Hälfte von ihnen waren dschihadistische Kämpfer. Bei einem Krieg (der Artikel bezeichnet es als Krieg) werden bei solchen Zahlen Soldaten (Kämpfer) üblicherweise von Zivilisten unterschieden. In nahezu allen anderen Konflikten werden im Kampf gefallene Soldaten sogar grundsätzlich nicht mitgezählt, wenn von Kriegsopfern die Rede ist.

Zudem ist bei diesen Zahlen der Hamas inzwischen erwiesen, dass:

  • es darunter viele Doppelzählungen gibt,
  • sie alle Menschen enthalten, die eines natürlichen Todes gestorben sind,
  • das Alter und Geschlecht der Opfer sehr oft gefälscht ist (viele angebliche Kinder und Frauen),
  • sie auch jene Opfer enthalten, die von der Hamas (oder anderen Gruppen in Gaza) getötet worden sind.

12. “Seit Oktober 2025 gibt es einen von den USA vermittelten Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas. Über die Zukunft von Gaza wird seitdem verhandelt”

Hier sollte zumindest erwähnt werden, dass dieser Waffenstillstand eine Entmachtung und Entwaffnung der Hamas fordert, doch dass diese sich weigert.

Wenn diese Verhandlungen schon erwähnt werden, dann sollte auch erklärt werden, weshalb sie seit 2025 nicht vorankommen.


Wir haben nun einen Artikel gelesen, der Schulkinder über den “Nahostkonflikt” aufklären soll. Auf den ersten Blick scheint er nüchtern und sachlich abgefasst zu sein und erst ein zweiter Blick (mit viel Sachkenntnis) zeigt uns den manipulativen Charakter des Artikels.

Genau dies ist hochgefährlich, denn kaum ein Leser wird solche Indoktrinationen erkennen!

Meine dringliche Aufforderung an euch alle ist deshalb: Richtet eure Aufmerksamkeit auf solches Schulmaterial! Reklamiert bei der Lehrerschaft, die solches unterrichten! Schreibt Verlage an, die solches drucken und herausgeben!

Unsere Kinder sollen in den Schulen nicht indoktriniert, schon gar nicht antisemitisch manipuliert, sondern korrekt und neutral unterrichtet werden!


“Eine halbe Wahrheit ist schlimmer als eine Lüge” (Eugen Frey (1854 – 1936), Kantonsschulprofessor in Winterthur, Schweiz)

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2 thoughts on “Nahostkonflikt – Indoktrination bereits im Schulkindalter

  1. Die Bundeszentrale geht zurück auf die Propaganda Abteilung im kaiserlichen Heer. So muss die Bundeszentrale auch gesehen werden. Eine Propaganda Zentrale. Natürlich sind Beschwerden wichtig und richtig aber ich warne davor, zuviel Hoffnung zu investieren. Die CDU ist ein sammelbecken aus Katholiken, Protestanten, konservativen und nazis. Die wollen ihre NS Vergangenheit begraben. Die AfD will das nicht thematisieren, die Grünen auch nicht und der Rest erst recht nicht. Im klartext, der Antisemitismus dient dazu, die nazis in der Gesellschaft integriert zu lassen, denn der Russenhass allein reicht ja nicht.

  2. Auch wenn es nichts nützen wird, ist Schreiben wichtiger und richtiger als Schweigen.

    Ich orientiere mich meistens daran, ob ich das Richtige tue, und weniger, ob ich damit meine Ziele erreiche. 😊

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