Der Angriff

Der Angriff aus Gaza begann früh morgens am 7. Oktober 2023, gegen 06:30 Uhr. Die Hamas hatte diesen Angriff unter strengster Geheimhaltung über mehr als zwei Jahre hinweg minutiös vorbereitet. Zum engsten Kreis der Planer gehörten Yahya Sinwar, Mohammed Deif und Marwan Issa. Selbst innerhalb der Hamas war der Gesamtplan nur wenigen Führungspersonen bekannt.

Der 7. Oktober war in Israel ein hoher Festtag: Simchat Torah, der Tag, an welchem wir den Erhalt der Torah feiern, ein Tag, der von fröhlichen Festen geprägt ist. Man erinnert sich: Auch der Yom Kippur Krieg begann an einem hohen jüdischen Feiertag.

In der Nähe des Gazastreifens war zu diesem Zeitpunkt ein fröhliches Fest für junge Leute im Gang: das NOVA-Festival. Viele der Besucher sollten diesen Tag nicht überleben. Gerade unter ihnen gingen die Angreifer besonders grausam vor.

Gleichzeitig herrschte in Israel eine innenpolitische Krise. Oppositionelle Kräfte demonstrierten unter dem Namen “Kaplan Forces” zu Tausenden auf Israels Strassen, forderten den Rücktritt der Regierung, insbesondere von Premierminister Benjamin Netanyahu, und riefen zu einer allgemeinen Dienstverweigerung auf. Diesem Aufruf waren, so wurde in linken Medien genüsslich berichtet, Hunderte von israelischen Reservisten, Soldaten und Dienspflichtigen gefolgt, insbesondere auch Angehörige der Luftwaffe. Zwar waren diese Meldungen stark übertrieben, doch in der arabischen Welt wurden sie aufmerksam verfolgt.

Die Hamas-Führung betrachtete die tiefe Spaltung innerhalb Israels als Schwäche und sah darin eine günstige Voraussetzung für ihren geplanten Angriff. Demzufolge schlugen sie zu, ohne sich vorgängig mit ihren Gefährten, ihren Führungskräften in Qatar, dem Iran oder der Hizbollah abzusprechen.


Der Angriff war minutiös geplant und orchestriert. Zunächst wurden Tausende Raketen auf Israel abgefeuert. Gleichzeitig begann ein koordinierter Angriff aus der Luft mit motorisierten Hängegleitern, über das Meer mit Schnellbooten und, nachdem die Grenzanlagen an zahlreichen Stellen durchbrochen worden waren, auf dem Landweg.

An diesem Morgen überschritten rund 6’000 Gazaner die Grenze nach Israel. Darunter befanden sich etwa 3’800 ausgebildete und bewaffnete Hamas-Terroristen sowie Kämpfer des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) und weiterer Terrororganisationen. Daneben drangen auch zahlreiche sogenannte “Zivilisten” nach Israel ein, die keiner dieser Organisationen zugeordnet werden können.


Die israelische Verteidigung wurde von diesem Angriff vollständig überrumpelt. Versagt wurde auf praktisch allen Ebenen.

Warnzeichen und Erkenntnisse auf den unteren Ebenen wuirden nicht oder nicht mit der notwendigen Dringlichkeit nach oben weitergeleitet. In den ersten Stunden des Angriffs fehlte es zudem an Führung, Koordination und einem gemeinsamen Lagebild zwischen den verschiedenen Einsatzkräften. Selbst auf den höchsten Ebenen wurde das Ausmass dessen, was sich rund um Gaza abspielte, viel zu spät erkannt.

Dazu kam ein grundlegendes Versagen der israelischen Geheimdienste. Ihre Führung war über Jahre davon ausgegangen, dass die Hamas an einer Eskalation nicht interessiert sei und durch wirtschaftliche Anreize ruhig gehalten werden könne. Dazu gehörten auch mehr als 10’000 Arbeitsbewilligungen für Gazaner, die täglich zum Arbeiten nach Israel kommen konnten. Diese Zahl war erst kurz zuvor noch erhöht worden.

Doch mehrere dieser Tagelöhner nutzten ihre Besuche in Israel zur Spionage und berichteten der Hamas genauestens über die Lage in den Kibbutzim. Bei den Angreifern wurden Karten, Einsatzpläne und Notizen mit detaillierten Informationen über die angegriffenen Kibbutzim, deren Sicherheitsvorkehrungen, der Anzahl Bewohner in jedem Haus und ob sich darunter auch Bewaffnete befinden gefunden.

Auch auf das Verhalten gegenüber den Menschen, denen die Angreifer begegnen würden, waren sie bestens vorbereitet. Bei Hamas-Terroristen wurden eigens vorbereitete Sprachführer gefunden. Hebräische Sätze waren darin phonetisch in arabischer Schrift wiedergegeben, damit die Angreifer sie aussprechen konnten. Darunter befanden sich Befehle wie “Zieh deine Hose aus”, “Zieh deine Kleider aus” oder “Spreize deine Beine”, aber auch “Wir haben Geiseln” und “Wir werden die Gefangenen töten”.

Das besonders paradoxe an dieser Situation ist, dass die Mehrzahl der Kibbutzim von Menschen bewohnt waren, die den Gazanern gegenüber “eine humanere Haltung” foderten und den oppositionellen Kräften in Israel nahe standen. Viele von ihnen hatten sich an Hilfeleistungen für Gazaner beteiligt. Ausgrechnet diese Menschen wurden zu tragischen Opfern ihrer wirklichkeitsfremden Ideologie.

Für die Entführung von Israelis nach Gaza hatte die Hamas ihren Angreifern eine grosszügige Belohnung versprochen. Gefangene Hamas-Terroristen berichteten später in ihren Verhören, ihnen seien für jede nach Gaza gebrachte Geisel 10’000 US-Dollar und eine Wohnung versprochen worden.

Wie weit dies ging, zeigte sich später am Schicksal des 19-jährigen Golani-Soldaten Adir Tahar. Er wurde am 7. Oktober im Kampf getötet, anschliessend enthauptet und sein Kopf nach Gaza gebracht. Dort wurde versucht, diesen für 10’000 US-Dollar zu verkaufen.

Nebst solchem und dem militärischen Aspekt war der Angriff auf eine maximale Demütigung von Israelis ausgelegt. Die meisten der im folgenden Video gezeigten Aufnahmen stammen von den Angreifern selbst. Sie filmten ihre Taten mit Bodycams und Mobiltelefonen und verbreiteten ihre Aufnahmen stolz im Netz. Die ganze Welt sollte sehen, wie Israelis gequält und gedemütigt wurden.


Obwohl viele Israelis den Angegriffenen sofort zu Hilfe eilten, wobei einige von ihnen ihr Leben verloren, dauerte es vielerorts noch Stunden, bis die reguläre Armee mit starken Truppenverbänden vor Ort eintraf.

Das folgende Video zeigt Bilder aus den ersten Stunden dieses Angriffs.

Warnung: Einige Sequenzen in diesem Video sind für Kinder und zartbesaitete Menschen nicht geeignet!


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