Die Geiseln

Wen auch immer die Gazaner angetroffen haben wurde entweder getötet oder als Geisel nach Gaza entführt. Die jüngste Geisel war neun Monate alt, die ältesten 85 Jahre.

Es spielte auch keine Rolle, ob jemand Israeli oder Jude war. Unter den Ermordeten und Verschleppten befanden sich Menschen unterschiedlichster Herkunft und Nationalität – darunter auch ausländische Arbeiter und muslimische Beduinen.


Kfir Bibas (9 Monate) wurde gemeinsam mit seinem Bruder Ariel (4 Jahre) und seiner Mutter Shiri aus dem Kibbutz Nir Oz verschleppt. Die Bilder der beiden rothaarigen Kinder wurden zu einem der bekanntesten Symbole des Geiseldramas.

Die beiden Kinder wurden später in der Geiselhaft ermordet. Forensische Untersuchungen ergaben, dass sie mit blossen Händen umgebracht worden sind. Ihre Särge wurden erst Monate später nach Israel gebracht.

Auch die Mutter wurde in der Geiselhaft getötet. Bei der Rückgabe ihres Sarges wurde ein grausames Spiel gemacht, indem erst ein Sarg mit einer toten Gazanerin übergeben wurde. Erst nachdem das entdeckt worden ist, wurde die echte Leiche herausgegeben.


Die ältesten verschleppten Geiseln waren 85 Jahre alt: Shlomo Mantzur, ein Überlebender des Massakers “Farhud” von 1941 im Irak, und Yafa Adar aus Nir Oz.


Die Entführten – sowohl lebende wie auch tote – wurden unter dem Jubel der Bevölkerung nach Gaza gebracht und an verschiedenen, oft wechselnden, Orten versteckt: in Privatwohnungen, in Spitälern und im riesigen Tunnelsystem der Hamas. Die 84-jährige Ditza Heiman wurde beispielsweise im Haus eines UNRWA-Lehrers festgehalten. Die Toten wurden an geheim gehaltenen Orten vergraben.

Die Bedingungen ihrer Gefangenschaft waren sehr unterschiedlich. Einige wurden etwas besser behandelt, andere sehr viel schlechter. Viele später freigelassene Geiseln, Frauen wie Männer, berichteten von Vergewaltigungen und anderen sexuellen Übergriffen. Auch Schläge, Fesseln, Isolation sowie der Entzug von Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung gehörten für viele zum Alltag.

Auch eine Flucht bedeutete nicht unbedingt Rettung. Dem 25-jährigen Roni Krivoi gelang es, aus seiner Gefangenschaft zu entkommen. Mehrere Tage versteckte er sich und versuchte, die israelische Grenze zu erreichen. Schliesslich wurde er von palästinensischen Zivilisten entdeckt und wieder an die Hamas übergeben.

Die ersten Geiseln kamen am 24. November 2023, nach 49 Tagen Gefangenschaft, im Rahmen eines ausgehandelten Abkommens frei. Die Verhandlungen zu einem “Gaza-Abkommen” wurden insbesondere von den USA, Katar und Ägypten vermittelt. Auch die Leichen von Geiseln wurden letztendlich im Zuge dieses Abkomens an Israel übergeben. Die letzten 20 Geiseln wurden am 13. Oktober 2025 freigelassen – nach 738 Tagen in Gefangenschaft.

Anmerkung ⇒ Das hier erwähnte Abkommen ist bis heute (Oktober 2026) in der ersten Phase stecken geblieben. Die Umsetzung der ebenfalls unterzeichneten Phase 2, die unter anderem die Entwaffnung der Hamas beinhaltet, konnte bislang nicht begonnen werden.


Die meisten überlebenden Geiseln erhalten in Israel psychologische Betreuung. Doch ihre lachenden Gesichter und Berichte über eine glückliche Hochzeit oder die Geburt eines Kindes sollen nicht darüber hinwegtäuschen: Die Gefangenschaft wird sie ihr Leben lang begleiten. Viele werden noch jahrelang mit schweren psychischen und körperlichen Folgen ihrer Geiselhaft zu kämpfen haben.

Etliche der Überlebenden haben sich inzwischen zu wichtigen Stimmen Israels in der Welt entwickelt. Sie berichten auf internationalen Bühnen über ihre Erlebnisse, sprechen über den Terror der Hamas und setzen sich gegen Terrorismus und für Israel ein. Einige von ihnen haben ihre Erfahrungen auch vor den Vereinten Nationen geschildert.


Das folgende Video zeigt Bilder von den Geiselnahmen und der Verschleppung nach Gaza.

Warnung: Das Video enthält verstörende und gewalttätige Aufnahmen. Unter anderem sind Leichen zu sehen, die geschlagen und misshandelt werden. Das Video ist für Kinder und zartbesaitete Menschen nicht geeignet.


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