NAZA – wenn „Pallywood“ internationale Preise erhält

Am 12. September dieses Jahres (2026) hat der Film NAZA den Special Jury Prize der 83. Filmfestspiele von Venedig gewonnen. Nach seiner Vorführung erhielt der Film eine rund 25 Minuten dauernde Standing Ovation.

Was hat es mit diesem FIlm auf sich?

Inhalt


Die Autoren

Das sind die Autoren / Regisseure dieses FIlms: Links Rachel Szor, rechts Yuval Abraham.

Sie sind auch zwei der vier Co-Regisseure des ebenfalls prämierten Folms (Oscar) “No Other Land

In Israel sind die beiden seit Langem als palästinenserfreundliche Aktivisten gut bekannt. „No Other Land“ und „NAZA“ haben ihnen nun auch international grosse Aufmerksamkeit in der Filmwelt verschafft. Dass sie mit ihren ersten beiden Kinofilmen gleich renommierte Preise gewinnen konnten, ist bemerkenswert und sollte eigentlich hellhörig machen.

Überraschend ist es hingegen nicht: Beide haben sich in israelkritischen Kreisen längst einen Namen gemacht.

Yuval Abraham

Yuval Abraham ist israelischer Journalist und Aktivist. Er schreibt für das israelkritische +972 Magazine und dessen hebräisches Schwesterportal Local Call (Sikha Mekomit). Bei “Local Call” wird er als Staff Reporter geführt und “+972” bezeichnete Abraham und seinen späteren Co-Regisseur Basel Adra ausdrücklich als „activists and journalists“. Hier seine Artikel bei +972.

Auch Le Monde porträtierte Abraham bereits 2024 unter der Überschrift „An activist“.

Yuval macht aus seiner politischen Haltung keinen Hehl. Seine journalistische Arbeit versteht er unter anderem als Möglichkeit, die von ihm so bezeichneten „mechanisms of oppression in our country“ (Mechanismen der Unterdrückung in unserem Land) sichtbar zu machen. Sein Schwerpunkt liegt seit Jahren auf der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern und auf dem Vorgehen der IDF.

2019 gründete er gemeinsam mit dem palästinensischen Journalisten Ahmed Alnaouq das Projekt Across the Wall. Dort wurden Geschichten junger Palästinenser ins Hebräische übersetzt. Alnaouq beschrieb das Ziel später bemerkenswert offen: Man habe das israelische Mainstream-Narrativ herausfordern, die „Verbrechen der Besatzung“ sichtbar machen und positive Vorstellungen von der israelischen Armee widerlegen wollen.

Besonders relevant im Zusammenhang mit NAZA ist Yuvals frühere Berichterstattung über den Gaza-Krieg. Bereits im April 2024 veröffentlichte er bei +972 eine vielbeachtete Recherche über ein KI-System namens „Lavender“. Sie beruhte auf Aussagen von sechs anonymen Quellen, angeblich aus israelischen Nachrichtendienstkreisen, und erhob Vorwürfe über automatisierte Zielauswahl, geringe menschliche Kontrolle und die bewusste Hinnahme ziviler Opfer. Die IDF widersprach wesentlichen Teilen dieser Darstellung.

Yuval war also lange vor seinem Einstieg in die Filmwelt kein Unbekannter. Gerade in israelkritischen und pro-palästinensischen Kreisen hatte er sich durch seine journalistische und aktivistische Arbeit längst einen Namen gemacht.

Rachel Szor

Rachel Szor ist wesentlich weniger öffentlich in Erscheinung getreten. Die israelische Kamerafrau, Editorin und Regisseurin aus Jerusalem hielt sich auch während der internationalen Kampagne für “No Other Land” weitgehend im Hintergrund.

Politisch unbeteiligt war sie deswegen keineswegs. Bereits vor dem Film gehörte Rachel zu den israelischen Aktivisten und Journalisten, die regelmässig ins Gebiet Masafer Yatta kamen. Aus dieser Tätigkeit entstand gemeinsam mit Basel Adra, Hamdan Ballal und Yuval Abraham schliesslich “No Other Land”.

Wie diese vier ihre eigene Rolle verstanden, hielten sie im Pressedossier des Films bemerkenswert deutlich fest. Sie bezeichneten sich als eine “palästinensisch-israelische Gruppe von Aktivisten und Filmemachern”, die gegen die von ihnen so bezeichnete “Apartheid” und die “Vertreibung der Bewohner” von Masafer Yatta kämpfen wolle.

Rachel war bei “No Other Land” also nicht lediglich Kamerafrau und Editorin eines politischen Dokumentarfilms. Sie gehörte selbst zu dem aktivistischen Umfeld, aus dem dieser Film entstand.


Es spricht vieles dafür, dass hier nicht zwei aussergewöhnliche Filme ausgezeichnet worden sind, sondern zwei Autoren, deren Namen und politische Ausrichtung in den entsprechenden Kreisen längst bekannt und höchst willkommen waren.

Die Filme

“NAZA” ist nicht die erste Zusammenarbeit von Yuval Abraham und Rachel Szor. Bereits beim vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilm “No Other Land” gehörten beide zu einem vierköpfigen israelisch-palästinensischen Kollektiv, gemeinsam mit Basel Adra und Hamdan Ballal.

No Other Land

Der zwischen 2019 und 2023 entstandene Film “No Other Land” behandelt die Auseinandersetzungen im Gebiet Masafer Yatta im südlichen Samaria. Im Mittelpunkt stehen die Zerstörung palästinensischer Siedlungen durch die israelischen Behörden und der Kampf der Bewohner gegen ihre Vertreibung.

Dabei verstanden die Filmemacher ihr Werk keineswegs als politisch neutrale Dokumentation. In ihrer eigenen Erklärung bezeichneten sie sich als eine “palästinensisch-israelische Gruppe von Aktivisten und Filmemachern”. Sie wollten mit dem Film die Vertreibung der Bewohner aus der militärischen Übungszone stoppen und gegen eine Realität kämpfen, die sie ausdrücklich als “Apartheid” bezeichneten.

“No Other Land” war damit von Anfang an nicht eine Dokumentation, sondern ausdrücklich politischer Aktivismus mit den Mitteln des Films.

Der zentrale Streitpunkt bei diesem Film betrifft die Vorgeschichte von Masafer Yatta und der Firing Zone 918. Der Film vermittelt den Eindruck einer seit Generationen bestehenden Bevölkerung, deren Häuser Israel zerstöre, um sie aus ihrem angestammten Gebiet zu vertreiben. Doch diese Darstellung war bereits seit 1999 Gegenstand eines über Jahrzehnte andauernden Rechtsstreits.

Der israelische Supreme Court kam 2022 – also noch bevor “No Other Land” fertiggestellt war – nach Prüfung von Luftaufnahmen, historischen Unterlagen, Gutachten und anderem Beweismaterial zum Ergebnis, dass die Kläger ihre Behauptung, bereits vor der Klassifizierung des Gebietes als militärische Übungszone Anfang der 1980er Jahre dort dauerhaft gewohnt zu haben, nicht belegen konnten. Vielmehr wertete das Gericht die vorgelegten Luftaufnahmen als klare Belege dafür, dass vor 1980 keine dauerhafte Besiedlung erkennbar war. Für einzelne Ortschaften stellte es fest, dass auf Aufnahmen aus den 1960er, 1970er und frühen 1980er Jahren keine Gebäude zu erkennen waren, während ab den 1990er und insbesondere den 2000er Jahren eine zunehmende Bautätigkeit sichtbar wurde.

Diese Vorgeschichte wird in “No Other Land” jedoch nicht beschrieben, stattdessen wird dem Zuschauer einzig eine palästinensische Darstellung als Tatsache präsentiert: Eine seit Generationen ansässige palästinensische Bevölkerung werde von Israel aus ihrem angestammten Land vertrieben.

Dass genau diese Darstellung bereits vor Fertigstellung des Films Gegenstand eines jahrzehntelangen Rechtsstreits war und vom Supreme Court nach Prüfung umfangreichen Beweismaterials in wesentlichen Punkten nicht bestätigt wurde, bleibt dem Publikum verborgen.

NAZA

Mit “NAZA” setzen Yuval Abraham und Rachel Szor ihre Zusammenarbeit fort. Der Film wurde 2026 bei den Filmfestspielen von Venedig gezeigt und beschäftigt sich mit der Zerstörung von Gebäuden im Gazastreifen während des Krieges nach dem 7. Oktober 2023.

Nach Darstellung der Filmemacher soll “NAZA” zeigen, dass israelische Soldaten zivile Wohnhäuser nicht nur aus militärischer Notwendigkeit zerstörten, sondern dass Häuser teilweise gezielt und ohne militärischen Grund vernichtet worden seien. Als Grundlage dienen unter anderem Videoaufnahmen aus Gaza sowie anonymisierte Aussagen von Personen, die als israelische Soldaten, Whistleblower und Mitarbeiter der Sicherheitsdienste vorgestellt werden.

Ob und in welchem Zusammenhang die im Film gezeigten Gebäude militärisch genutzt wurden, lässt sich anhand solcher Bilder nicht beurteilen. Auch die Aussagen anonymisierter Personen sind für Aussenstehende nicht überprüfbar. Gerade im Gazastreifen, wo die Hamas zivile Infrastruktur für militärische Zwecke nutzt und ihre militärischen Einrichtungen bewusst in das zivile Umfeld integriert, sagt das äussere Erscheinungsbild eines Gebäudes wenig darüber aus, ob es ein militärisches Ziel darstellte.

Oft berichtet wurde über das Al-Shifa-Spital in Gaza-Stadt. Israelische Streitkräfte fanden dort ein Tunnelsystem mit Kommandoposten der Hamas, Waffen und weitere militärische Infrastruktur. Aufnahmen aus dem Spital zeigen zudem, wie Terroristen israelische Geiseln in das Gebäude brachten. Später freigelassene Geiseln bestätigen, dass sie in diesem Spital festgehalten worden sind.

Zum grössten Teil besteht der Film aus Interviews mit anonymisierten Personen auf den Dächern von Tel Aviv. Die Gesichter der Interviewten sind verpixelt und ihre Stimmen elektronisch verfälscht. Weder ihre Identität noch ihre Funktion oder ihr tatsächlicher Zugang zu den Informationen, über die sie berichten, lassen sich vom Publikum verifizieren.

Das Publikum kann also nicht überprüfen, was für Geschichten ihm hier aufgetischt werden.

Die Stellungnahme der IDF

Der Sprecher der IDF weist die im Film erhobenen Vorwürfe kategorisch zurück. Im Folgenden einige Zitate aus seiner Stellungnahme (Übersetzung Ze’ev):

Der Film beruht weitgehend auf anonymen Zeugenaussagen von Personen, deren Identität nicht verifiziert werden kann. Dadurch lässt sich nicht überprüfen, ob sie überhaupt in der IDF dienten, welche Funktion sie dort ausübten oder ob sie an jenen Vorgängen beteiligt waren, auf die sich ihre Vorwürfe beziehen.

Die zitierten Aussagen enthalten Behauptungen zur nationalen und militärischen Strategie, die eindeutig über den Kenntnisstand von Soldaten auf niedriger Ebene hinausgehen.

Zudem gibt es Hinweise auf Situationen, in denen angebliche Angehörige der IDF-Nachrichtendienstdirektion, die für den Film interviewt wurden, an den beschriebenen Aktionen gar nicht beteiligt gewesen waren.

Die IDF kritisiert auch die falsche Verwendung juristischer Begriffe durch Personen, die keine Rechtsfachleute sind, sowie interne und teilweise absurde Widersprüche. Als Beispiel nennt sie die Behauptung, unbeabsichtigte Schäden infolge rechtmässiger Angriffe seien absichtlich verursacht worden oder Teil eines “Völkermords” gewesen, ohne die Bedeutung dieser Begriffe korrekt zu berücksichtigen.

Die IDF operiert im Gazastreifen, um israelische Zivilisten zu schützen, und richtet ihre militärischen Aktivitäten gegen terroristische Organisationen, allen voran die Hamas. Dabei handelt sie gemäss dem Völkerrecht und den Regeln bewaffneter Konflikte. Im Rahmen dieser Operationen greift sie militärische Ziele an und unternimmt beispiellose Anstrengungen, um zivile Opfer zu minimieren.

Die Hamas operiert hingegen systematisch aus dem zivilen Umfeld heraus, bettet ihre Kämpfer und militärische Infrastruktur in die Zivilbevölkerung ein und nutzt zivile Gebiete für terroristische Zwecke.

Wenn konkrete Verdachtsmomente auf Gesetzesverstösse durch einen IDF-Soldaten vorliegen, ist die IDF entschlossen, diese zu untersuchen und Verantwortliche durch unabhängige Ermittlungs- und Durchsetzungsmechanismen zur Rechenschaft zu ziehen.

Ein Soldat, der einen möglichen Gesetzesverstoss beobachtet, ist nach militärischen Befehlen verpflichtet, diesen zu melden, damit geprüft werden kann, ob eine Untersuchung erforderlich ist. Das gilt auch für die Personen, die für den Film interviewt wurden.

Zu den Vorwürfen bezüglich des Einsatzes künstlicher Intelligenz erklärt die IDF, dass Entscheidungen über die Auswahl und Genehmigung von Angriffszielen ausschliesslich von menschlichem Personal gemäss den Richtlinien der IDF getroffen würden und nicht von künstlicher Intelligenz.

Damit stehen letztlich zwei Darstellungen gegeneinander – nur dass die IDF für ihre Aussagen einsteht, während das Publikum bei den anonymen Belastungszeugen von “NAZA” schlicht glauben muss, was ihm erzählt wird.

“NAZA” – Anonyme Zeugen, schwere Vorwürfe

Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt, dass es für schwerste Anschuldigungen gegen Israel keine überprüfbaren Belege braucht. Anonyme Aussagen, Bilder ohne Kontext und die Versicherung “israelkritischer” Autoren, es habe sich so zugetragen, genügen.

Es liegt dann an Israel, zu beweisen, dass solche Anschuldigungen in ihrer Form nicht zutreffen.

Die Beweislast wird umgekehrt: Nicht die Schuld muss belegt werden, sondern die Unschuld.

Dass ein Kinopublikum nach einer solchen Berieselung 25 Minuten lang stehend applaudiert, zeigt diesen Umstand mehr als deutlich.


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One thought on “NAZA – wenn „Pallywood“ internationale Preise erhält

  1. Für heute empfehle ich wärmstens die Serie Fauda auf Netflix.
    Und Venedig…ist …vorbei…Die Stadt hat eine lange Vergangenheit als Sklavenhändler …sie haben Byzanz vergewaltigt…In der Toscana hängen Fahnen der Moslembrüderschaften…Wählerschaft…wie in Michigan…
    Bald wird die Stadt mit den gestohlenen Pferden im Meer versinken…ist nur schade um die Kunst…schauder….

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