9.9.2026 – Zwei Kriege, die Israel beschäftigen

In bezug auf Gaza und Libanon gilt weiterhin “Business as usual”, doch bei den beiden Kriegen, dem zwischen den USA und dem Iran und dem zwischen Europa und Israel bahnen sich entscheidende Entwicklungen an.

  • In Gaza wird weiterhin Jagd auf Nukba-Terroristen gemacht: Keiner, der am Angriff vom 7. Oktober 2023 teilgenommen hat, soll ungeschoren davonkommen. Doch Israel ist etwas ganz Entscheidendes gelungen. Mehr dazu im ersten Kapitel.
  • In Libanon hält Israel weiterhin strategische Positionen auf libanesischem Gebiet besetzt, denn die Übergabe der Kontrolle an die offizielle libanesische Armee hat sich bislang nicht bewährt.
  • Im Nahen Osten zeichnet sich beim Konflikt zwischen den USA und dem Iran eine Eskalation ab.
  • Europa stellt sich verstärkt gegen eine jüdische Wiederbesiedlung in Judäa und Samaria.

Mehr dazu in den folgenden Kapiteln.

Inhalt


Gaza

Die Jagd auf Nukba-Terroristen wird weitergeführt. Israel weist alle Aufrufe zu Zurückhaltung zurück und hält daran fest, dass alle diese Verbrecher entweder gefasst oder getötet werden. Keiner soll davonkommen. Teilweise wird berichtet, dass inzwischen keiner von ihnen in Gaza noch am Leben sei und frei herumlaufe.

Doch etliche sind ins Ausland geflüchtet, auch in die USA und in europäische Länder. Es ist damit zu rechnen, dass Israel früher oder später auch dort nach ihnen suchen wird. Meine Vermutung ist, dass sie ähnlich behandelt werden wie die Nazi-Verbrecher des Zweiten Weltkrieges, bei denen die israelischen Geheimdienste nie lockergelassen haben.


Auch hochrangige Terror-Funktionäre sind in Gaza ihres Lebens nicht mehr sicher. Der israelische Geheimdienst erhält zunehmend Hinweise über ihre Verstecke, sie werden mit Drohnen überwacht und es wird ein günstiger Moment abgewartet, sie aus der Luft zu eliminieren ohne viele (sogenannt “unbeteiligte”) Zivilisten zu treffen.


Ein besonders wichtiger Erfolg gelang Israel jedoch mit der Festnahme von Muein al-Arabid, dem Chef des internen Sicherheitsapparats der Hamas im Gazastreifen. Unter Beteiligung gazanischer Oppositionsgruppen konnten ihn israelische Spezialkräfte des Shin Bet am 1. September bei einer gezielten Operation in Gaza-Stadt lebend festnehmen und zur Befragung nach Israel überführen.

Bei dieser wagemutigen Operation am hellichten Tag, mitten in einer von der Hamas kontrollierten Zone, gab es keine israelischen Opfer.

Al-Arabid war unter anderem für das Verstecken und Verlegen israelischer Geiseln sowie für den Schutz hochrangiger Hamas-Funktionäre verantwortlich. Zuletzt spielte er eine wichtige Rolle beim Versuch, die Herrschaft und die militärischen Fähigkeiten der Hamas in Gaza wieder aufzubauen.

Seine Festnahme ist deshalb wesentlich wertvoller als seine Tötung. Israelische Sicherheitskreise bezeichnen ihn bereits als eine “Goldgrube für Geheimdienstinformationen”. Nach israelischen Medienberichten kooperiert er bei den Verhören und liefert Informationen über Waffen, Personal und Infrastruktur der Hamas.

Für die Hamas ist das eine sehr herbe Niederlage. Erstens, weil ihre Schutzdienste derart krass versagt haben, zweitens – und viel wichtiger –, weil nun viele ihrer Geheimnisse in Israel bekannt werden. Letzteres wird die Hamas zutiefst verunsichern.

Kommentar ⇒ Israel nutzt dies natürlich auch psychologisch aus. Dass er derart bereitwillig kooperiere und all seine Geheimnisse ausplaudere, kann durchaus auch Teil der israelischen Kriegsführung sein.

Libanon

In Libanon ist die Situation nach wie vor verwirrend.

  • Unter amerikanischer Vermittlung verhandelt Präsident Aoun über einen israelischen Abzug und einen Frieden in Libanon, doch er steht unter starkem Druck der Hisbollah. Zu einem Friedensvertrag mit Israel, der ein Ende des Kriegszustandes seit 1948 bedeuten würde, und einer offiziellen Anerkennung Israels ist es bislang nicht gekommen. Hierbei dürfte auch die Frage nach einer definitiven Grenze ein hart umkämpftes Thema sein.
  • In hohen militärischen Kreisen wurde der Wunsch geäussert, dass sich die IDF vorläufig nicht aus dem Libanon zurückziehen soll. Die libanesische Armee sei noch nicht so weit, dass sie die Hisbollah alleine bekämpfen und entwaffnen könne. Eine offizielle Stellungnahme der Armee ist dies jedoch nicht, denn in hohen Positionen befinden sich auch Unterstützer der Hisbollah.
  • Bei der UNIFIL ist nach wie vor nicht klar, auf welcher Seite ihre Truppen stehen: Auf der Seite der Regierung oder derjenigen der Hisbollah? Für beide Thesen gibt es Anhaltspunkte. Es ist gut möglich, dass sich ihre Truppen diesbezüglich uneinheitlich verhalten. Doch gegen Ende Jahr endet ihr Mandat; anschliessend soll UNIFIL schrittweise abziehen. Damit wird sich diese Frage früher oder später von selbst erledigen.
  • Die Hisbollah kämpft weiterhin verbissen um ihr Überleben. Es gibt Berichte, wonach der Iran versuche, einen breit koordinierten Angriff auf Israel zu orchestrieren. Hier würde die Hisbollah, die nicht nur in Libanon präsent ist, sondern auch in Syrien, dem Irak und in der ehemaligen Westbank ihre Unterstützer hat, eine wichtige Rolle einnehmen.
  • Die IDF setzt sich in den von ihr eroberten Gebieten fest. Diese Gebiete werden durchkämmt, es wird nach Verstecken und Waffenlagern der Hisbollah gesucht und Haus um Haus wird auf Einstiege in geheime Tunnelsysteme inspiziert. Dabei kommt es immer wieder zu Schusswechseln mit Truppen der Hisbollah. Die IDF hat auch wichtige strategische Gebirgszüge erobert, dort riesige Tunnelsysteme entdeckt, diese vernichtet oder deren Eingänge versiegelt. Das letzte solche Gebiet ist der Ali-al-Taher-Höhenzug, der weitläufig untertunnelt ist. Glaubhaften Berichten zufolge sollen sich dort auch hohe Funktionäre der IRGC aufgehalten haben, doch den meisten Kämpfern in diesen Tunnels soll die Flucht durch einen nicht frühzeitig entdeckten Fluchttunnel gelungen sein.

USA – Iran

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran ist in den letzten Tagen wieder deutlich eskaliert. Nach einer rund einmonatigen Phase relativer Ruhe greifen beide Seiten wieder militärische und wirtschaftliche Ziele an. Im Zentrum steht dabei zunehmend die Strasse von Hormus und die Frage, wer den Schiffs- und insbesondere den Ölverkehr durch diese für die Weltwirtschaft entscheidende Meerenge kontrolliert.

Die USA versuchen einerseits, die freie Durchfahrt durch diese Meerenge sicherzustellen und iranische Importe und Exporte zu unterbinden. Der Iran andererseits versucht, den Schiffsverkehr zu kontrollieren und damit wirtschaftlichen Druck auf die USA und deren Verbündete auszuüben. Aus dem militärischen Krieg ist zunehmend ein Wirtschaftskrieg um Energie und Rohstoffe (Öl, Gas, Düngemittel, pharmazeutische Produkte…) geworden.


Die amerikanische Strategie, das iranische Regime durch wirtschaftliche und finanzielle Blockaden in die Knie zu zwingen, zeigt immer klarere Auswirkungen: Die iranische Währung liegt im Keller, die Wirtschaft ist schwer angeschlagen, Produkte des täglichen Bedarfs werden immer teurer und teilweise schwieriger erhältlich und immer mehr Iraner verlieren ihre Arbeit und ihr Einkommen.

All dies wird den innenpolitischen Druck auf das Regime weiter verstärken und bereits jetzt zeigen sich deutliche Risse und Interessenkonflikte innerhalb der Führung: Hardliner, insbesondere die IRGC und der engere Kreis um Ayatollah Mojtaba Khamenei setzen weiterhin auf Konfrontation und Krieg, während andere Kräfte verstärkt auf Verhandlungen und eine politische Lösung drängen.


Der Iran beschiesst weiterhin die Schifffahrt in der Strasse von Hormus und hat in den vergangenen Tagen auch amerikanische Kriegsschiffe mit ballistischen Raketen angegriffen. Letzteres allerdings ohne grössere Schäden zu verursachen.

Im Gegenzug haben die USA angekündigt, und auch damit begonnen, im Sinne einer “tit for tat”-Logik für jeden Angriff oder Angriffsversuch auf ein amerikanisches Kriegsschifff einen iranischen Öltanker zu versenken.


In der vergangenen Nacht hat der Iran den Konflikt weiter eskaliert und erstmals seit längerer Zeit wieder amerikanische Stellungen in Jordanien mit ballistischen Raketen angegriffen.

Ziel war unter anderem die von amerikanischen Streitkräften genutzte Muwaffaq-Salti-Luftwaffenbasis bei Al-Azraq.

Nach jordanischen Angaben wurden 20 auf Jordanien abgefeuert. 18 davon konnten abgefangen werden, zwei schlugen in unbewohntem Gebiet ein. Opfer wurden nicht gemeldet.

Der Iran behauptet, auf der amerikanischen Basis schwere Schäden verursacht zu haben und mehrere Quellen berichten von einem Einschlag im Bereich eines Stützpunkts.

Video: Von Ashdod aus gefilmte Abfangvorgänge über Jordanien während des iranischen Raketenangriffs. Quelle: Israel Live News.

Erstaunlich ist, dass der Iran zwar stets heftige Angriffe auf Israel androht, bislang jedoch noch keinen durchgeführt hat. Es scheint, als fürchte er sich mehr vor einer israelischen Reaktion als vor der Weltmacht USA.

Europa – Israel

Auf den amerikanischen Wirtschaftskrieg gegen Iran sind wir bereits eingegangen. In den letzten beiden Tagen haben europäische Länder nun einen solchen gegen Israel entfacht.

Parallel zur britischen Entscheidung, Produkte aus den ehemals jordanisch besetzten Gebieten zu boykottieren, wenn Juden an deren Herstellung beteiligt sind, haben 11 weitere Länder eine gemeinsame Erklärung zu solchen Handelsrestriktionen unterzeichnet. Die 12 Länder sind bislang:

  • Frankreich
  • Vereinigtes Königreich
  • Kanada
  • Dänemark
  • Spanien
  • Finnland
  • Irland
  • Island
  • Norwegen
  • Polen
  • Portugal
  • Schweden

Die europäische Erklärung bezieht sich auf die Baupläne in der Zone E1, welche ich in meinem Artikel “E1 – Ein kleines Gebiet mit grosser Bedeutung” detailliert beschrieben habe.

Inwieweit sich diese Absichten auf die offizielle Liste der EU beziehen, ist derzeit noch nicht festgelegt. Hintergrundinformationen zu dieser Liste und zur israelischen Besiedlung in Judäa und Samaria finden sich in meinem Artikel über diese “Siedlungen”.


Israel reagiert heftig auf diese Angriffe. Das britische Konsulat in Jerusalem, das als “palästinensische Vertretung” Grossbritanniens betrieben wird, wird geschlossen und die dortigen britischen Amtsträger werden ausgewiesen. Ebenfalls ausgewiesen werden die britischen Vertreter in der US-geführten Gaza-Koordinierungsmission, welche die Entwicklung in Gaza begleitet. Zudem wird die britische Beteiligung an der Ausbildung palästinensischer Sicherheitskräfte beendet und gegen zwölf britische Personen, darunter mehrere Abgeordnete, wird ein Einreiseverbot ausgesprochen.

Kommentar ⇒ Anders als man vielleicht erwarten könnte, wurde bislang gegen die britischen Kolonien kein Handelsverbot ausgesprochen.

Spanien war früher schon dran: Im April 2026 schloss Israel die spanischen Vertreter aus dem US-geführten Civil-Military Coordination Center (CMCC) in Kiryat Gat aus.

Und die Niederlande folgten kurz darauf: Am 25. August ordnete unser Aussenminister Gideon Sa’ar an, zwei niederländische Vertreter aus dem Gaza-Koordinierungszentrum auszuschliessen und sie aufzufordern, Israel innerhalb einer Woche zu verlassen.

Grossbritannien wird also nicht das einzige Land bleiben. Die israelische Regierung berät über weitere Gegenmassnahmen gegen die anderen Staaten, die sich dieser gemeinsamen Erklärung angeschlossen haben. Welche Massnahmen gegen welches Land ergriffen werden, ist derzeit noch offen.

So ist zum Beispiel vorgeschlagen worden, Israel solle die argentinische Souveränität über die Falklandinseln anerkennen – eine Souveränität, die auch von Argentinien selbst beansprucht wird.

Dieser Krieg wird also weiter eskalieren und für die beteiligten Staaten deutliche Konsequenzen haben.


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