Warum werden Judäa und Samaria „palästinensische Gebiete“ genannt?

Medien und Politiker sprechen heute ganz selbstverständlich von „palästinensischen Gebieten“. Gemeint sind damit die grössten Teile von Judäa (יהודה, Yehuda) und Samaria (שומרון, Shomron) – das sogenannte Westjordanland – sowie der Gazastreifen.

Historisch betrachtet handelt es sich dabei um das Kernland des jüdischen Volkes. Hier liegen mit Jerusalem (Feuer) und Hebron (Erde) zwei der vier heiligen Städte des Judentums. Die beiden anderen befinden sich in Galiläa: Zfat (Safed, Luft) und Tveria (Tiberias, Wasser).

Wir alle wissen, was heute mit „palästinensischen Gebieten“ gemeint ist. Gerade deshalb lohnt sich die Frage:

Was genau macht diese Gebiete zu „palästinensischen Gebieten“?

Sicher, geografisch betrachtet sind dies palästinensische Gebiete. „Palästina“ ist seit der Antike die Bezeichnung für diese Region und war später auch der offizielle Name des britischen Mandatsgebiets im Nahen Osten, wie es 1920 beschlossen und 1922 durch den Völkerbund festgelegt wurde.

Palästina ist zugleich auch der griechische Name Israels. Genau genommen handelt es sich um die griechische Übersetzung des hebräischen Namens. Beide Bezeichnungen gehen auf Jakobs nächtlichen Ringkampf mit einem „Engel“ zurück und bedeuten sinngemäss „Ringkämpfer“ beziehungsweise „der mit G’tt ringt“ (mehr zur Herkunft des Namens „Palästina“ in diesem Artikel).

Die griechischsprachige Bevölkerung bezeichnete dieses Land bereits als „Palästina“, lange bevor der römische Kaiser Hadrian nach dem Bar-Kokhba-Aufstand die ursprüngliche hebräische Bezeichnung offiziell verdrängte.

Doch wenn damit dieses historische Palästina gemeint wäre, müssten auch Jordanien sowie Teile des heutigen Libanon und Syriens (darunter die 1923 dem französischen Mandatsgebiet zugeschlagenen Golanhöhen) dazugezählt werden. Genau das geschieht jedoch nicht mehr. Die Bedeutung dieser Bezeichnung hat sich im Laufe der Geschichte verändert – und dies nicht bloss einmal, sondern gleich mehrfach.

Bereits 1922, also nur zwei Jahre nach dem Beschluss von San Remo und unmittelbar nach der offiziellen Bestätigung des britischen Mandats durch den Völkerbund, teilte Grossbritannien – mit Billigung des Völkerbunds – das Land in einen östlich des Jordans gelegenen Teil (Transjordanien) und einen westlich des Flusses gelegenen Teil (Cisjordanien). Beide Gebiete blieben jedoch vorerst weiterhin unter britischer Kontrolle.

24 Jahre später, 1946, endete die britische Kontrolle über Transjordanien. Vier Jahre danach, 1950, wurde daraus das „Haschemitische Königreich Jordanien“.

Heute leben dort rund 11.5 Millionen Menschen auf einer Fläche von 89’342 km², was einer Bevölkerungsdichte von rund 130 Einwohnern pro km² entspricht.

Die Mehrheit der Jordanier – Schätzungen sprechen von rund 70% – sind palästinensische Araber. Der Rest besteht überwiegend aus Beduinen sowie Arabern aus der Arabischen Halbinsel, darunter auch die Herkunftslinie des haschemitischen Königshauses.

Zwei Jahre später, 1948, endete die britische Kontrolle auch über Cisjordanien. Am selben Tag wurde dort der Staat Israel gegründet.

Heute leben auf diesem Gebiet rund 15 Millionen Menschen – rund 10 Millionen israelische Staatsbürger sowie rund 5 Millionen Palästinenser in der ehemaligen Westbank und in Gaza – auf einer Fläche von rund 29’200 km². Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von etwa 530 Einwohnern pro km².

Die Bevölkerung Israels besteht zu rund 75% aus Juden und 21% aus Arabern, der Rest entfällt auf andere Gruppen. In den von der Palästinensischen Autonomiebehörde beziehungsweise der Hamas kontrollierten Gebieten leben heute keine Juden mehr.

Dies erklärt, wie aus Palästina zunächst Trans- und Cisjordanien, später Jordanien und Israel wurden – und weshalb die Bezeichnung „Palästina“ über Jahrzehnte praktisch verschwand.

Der Begriff tauchte erst 1964 wieder auf, als Yasser Arafat seine Terrororganisation, die „Palestine Liberation Organization“ (PLO), zur „Befreiung Palästinas“ gründete.

Zu dieser Zeit standen Gaza und das ehemalige Westjordanien unter ägyptischer beziehungsweise jordanischer Besatzung – einer Besatzung, die damals von praktisch der gesamten Welt, mit Ausnahme Grossbritanniens und Pakistans, nicht anerkannt wurde.

Mit „Palästina“ meinte Arafat jedoch nicht diese von ihm ausdrücklich ausgeschlossenen Gebiete, sondern den letzten kleinen, noch verbliebenen Teil der vom Völkerbund ursprünglich als „nationale Heimstätte für das jüdische Volk“ vorgesehenen Region.

So blieb es für die nächsten vier Jahre – bis Israel (nicht die PLO!) das ethnisch von Juden gesäuberte Westjordanland und Gaza von dieser Besatzung befreite.

Damit änderte sich die Bedeutung des Begriffs erneut – und diesmal nahezu ins Gegenteil: Zu „palästinensischen Gebieten“ wurden plötzlich genau jene von einer illegalen Besatzung befreiten Gebiete, die in der ursprünglichen Charta der PLO zuvor noch ausdrücklich ausgeschlossen worden waren.

Was also definiert diese Gebiete heute als „palästinensische Gebiete“?

Jordanien und Ägypten haben ihre territorialen Ansprüche später in Friedensverträgen mit Israel aufgegeben. „Palästinenser“ hatten damit nichts zu tun.

Warum also palästinensische und nicht israelische Gebiete? Schliesslich war es Israel, das diese Gebiete von einer illegalen Besatzung befreite – nicht „Palästinenser“.

Wenn „Palästinenser“ heute Anspruch auf diese Gebiete erheben, stellt sich zumindest die Frage, worauf sich dieser Anspruch historisch, rechtlich oder moralisch eigentlich stützt. Aus der Befreiung dieser Gebiete durch Israel lässt sich jedenfalls schwerlich ein palästinensischer Anspruch ableiten. Ein Dankeschön dafür würde mir plausibler erscheinen als Gewalt, Terror und die Forderung nach „Befreiung“.

Oft wird in diesem Zusammenhang auch auf das „Völkerrecht“ verwiesen. Doch welche Artikel dieses „Völkerrechts“ bestimmen eigentlich, dass Gebiete, die von einer illegalen Besatzung befreit worden sind, einem Volk gehören sollen, dem sie zuvor nie gehört haben, das damals noch gar nicht existierte und an ihrer Befreiung auch nicht beteiligt war?

Auf welches „Völkerrecht“ beruft sich also jemand, der behauptet, Israel habe diese Gebiete von einer illegalen Besatzung befreit – nur um sie anschliessend „Palästinensern“ zu überlassen?

Ebenfalls unter Berufung auf das „Völkerrecht“ wird gefordert, dass Israelis ihre Städte, Dörfer und Gemeinden in diesem Gebiet verlassen sollen – also genau jene Orte, aus denen sie zwanzig Jahre zuvor von Jordanien enteignet und vertrieben worden waren.

Auch hier wird auf ein angebliches „Recht“ verwiesen, ohne zu präzisieren, welche Artikel dieses Rechts die ethnische Säuberung eines solchen Gebietes rechtfertigen oder gar verlangen.

Also bleibt das – wie auch manches mehr – das Geheimnis einer Gruppe von „Völkerrechtsexperten“ und Politikern, die sich von solchen beraten lassen. Mir erschliesst sich dieses Geheimnis nicht und die Eingangsfrage bleibt unbeantwortet:

Was genau macht diese Gebiete zu „palästinensischen Gebieten“?


Die Kommentarfunktion ist geöffnet. Ich bin gespannt.

8 thoughts on “Warum werden Judäa und Samaria „palästinensische Gebiete“ genannt?

  1. Ja ich verstehe das auch nicht. Vielleicht hat das etwas mit Beduinen oder Scheichs der moslembruderschaften zu tun, die irgendwas für sich beanspruchen. Ich führe gerade Debatten auf LinkedIn, wo ich erkläre, dass der Begriff Volk eine Konstruktion ist und es keine Palästinenser gibt. Bislang hatte ich drei Drohungen über existenzvernichtung, beleidigungen und Bedrohungen.

      1. Danke für die Warnung. Bislang habe ich auch Verteidiger. Ich bin aber nicht gewillt, Judenhass hinzunehmen, nicht schon wieder oder immer noch. Und daher ist es mir wichtig, mit offenem Visier zu kämpfen. Es gibt keine „Palästinenser“, wie Ze´ev richtig darstellt, es gibt nur die Moslembruderschaften und das sind ganz eigenständige Nazis. Wenn sich also meine Universität schon wieder oder immer noch auf die Seite von Rechtsradikalen stellt, sehe ich mich in der Verantwortung, das zu kritisieren und zu bekämpfen. Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Denn – um mit Kurt Tucholsky zu sprechen- dafür ist mir Deutschland zu wichtig, um es aufzugeben.

  2. Grundsätzlich hätte ich ein eher historisches Bild hier gezeigt, nicht das Arabisch-Kolonialisierte, palästinensische Narnia.

    Aber endlich wird die Verblendung, historisch und faktenbasierend aufgearbeitet und hier zusammenfassend dargestellt. Das ist ganz Wichtig. Vielleicht noch ein paar Nachweise, würden der Untermauerung gut tun. Aber es ist wichtig, dass wir eine Kollektion an solchen Daten haben, damit wir dies Regierungsvertretern, Politikern und anderen weiteren Möchte-Gerne-Allwissenden unter die Nase hauen können.

    Meiner Meinung nach, ist das „Palästina“ nichts anderes als ein Projekt um die Vernichtung Israels voranzutreiben; Und die ganze Welt macht mit

    1. Ich habe diese Karte bewusst so gewählt, weil sie zeigen soll, was heutzutage eben als „Palästinensische Gebiete“ bezeichnet wird. Davon handelt ja dieser Artikel.

      Was Verlinkungen zu Nachweisen (Quellen) betrifft, damit hast du zwar recht, doch ich habe darauf verzichtet. Dies, weil jeder, der dieser Darstellung widerspricht, ebenfalls Quellen anfügen wird, was das Ganze dann zu einer „Quellenschlacht“ ausufern lässt.

      Grundsätzlich ist mein Verständnis so, dass ich berichte, was ich mit Sicherheit weiß und dass es an jenen liegt, die mich der Falschaussage beschuldigen wollen, ihre Anschuldigungen zu belegen.

      Ansonsten jedoch: Danke für deinen Kommentar!

      Als Hinweis noch für andere Leser: Mein Blog ist vielsprachig (s. die Landesflaggen am Bildschirmrand), so dass sich Artikel daraus auch auf anderssprachige Foren verlinken lassen.

  3. Zur Problematik der völkerrechtlichen Zuordnung der „Westbank“ sehr aufschlussreich sind die Beiträge von Natasha Hausdorf, u.a. auf Youtube. Ihre These ist, dass Israel bei der Staatsgründung das gesamte Mandatsgebiet Palestine übernommen habe, weil die arabische Seite auf die Gründung eines eigenen arabischen Staates in dem dafür vorgesehenen Tril von Palestine verzichtet habe. Das kann sie zifmlich überzeugdnd begründen unter dem völerrrchtlichen Pronzip des „uti possidetis iuris“. Anhörenswert!

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