Ein Kurzbericht
Vor zwei Tagen wollte ich eigentlich einen Bericht zur allgemeinen Situation in Israel und im Nahen Osten verfassen.
Der Bericht hätte etwa den Titel erhalten: “Nichts Neues im Nahen Osten”, und hätte ungefähr Folgendes beschrieben:
- Die USA verhandeln weiterhin mit Hampelmännern aus dem Iran und dem Libanon.
- Israel verharrt weiterhin in höchster Alarmbereitschaft und wartet auf ein grünes Licht aus den USA, dem Iran einen letzten vernichtenden Schlag zufügen zu können. Parallel dazu vertreibt es die Hisbollah aus dem Süden des Libanons und greift ihre Kommandostrukturen und Waffenlager tiefer im Land an.
- Der Iran schickt weiterhin seine Vertreter an den Verhandlungstisch, während die IRGC ihnen vorschreibt, was sie dort sagen dürfen und was nicht.
- Der Libanon verhandelt weiterhin mit den USA über einen Waffenstillstand, den umzusetzen er nicht in der Lage sein wird.
- In Gaza kämpft die Hamas weiterhin gegen rivalisierende Gruppen, während die Anführer des bestialischen Angriffs von 7. Oktober 2023 der israelischen Strafe zu entkommen suchen.
Doch dann kam ein Sirenengeheul dazwischen, ein Hetzen in den Schutzraum und ein gespanntes Zuwarten was nun geschehen wird.
Die Situation hatte sich in einem Schlag verändert: Raketenbeschuss aus dem Iran.
Heute zeigt sich ein neuen Bild: Der Iran verknüpft Israels Kampf gegen die Hisbollah mit den Verhandlungen in den USA: “Wir werden die Verhandlungen mit den USA über ein Atomabkommen nur dann fortführen, wenn Israel seine Aktionen im Libanon beendet.”
Er habe Israel deshalb angegriffen, weil Israel die Hisbollah in Libanon bekämpft, sagt der Iran, und solange dem so sei, werde er seine Angriffe auf Israel nicht beenden.
Mit anderen Worten heisst das: “Wir werden mit den USA über ein Atomabkommen und einen Waffenstillstand – auch gegenüber Israel – verhandeln, wenn die Hisbollah Israel unbehindert angreifen darf”
Der Iran spielt damit ein ausserordentlich geschicktes Spiel: Er weiss, dass die Interessen der USA nicht dieselben sind wie die israelischen. Die USA haben keine Hisbollah vor der Haustür und fühlen sich von ihnen nicht bedroht. Ihre Sorgen drehen sich vornehmlich um die atomare Bedrohung.
Der Iran versucht also, die USA und Israel zu entzweien. Wie weit ihnen das gelungen ist, ist derzeit unklar. Es wird von spannungsgeladenen Telefongesprächen zwischen Donald Trump und Benjamin Netanjahu berichtet.

Am nächsten Tag, gestern, gab es weiterhin Beschuss aus dem Iran und auch aus dem Jemen.
Viele israelische Schulen hatten geschlossen und es galten eingeschränkte Verhaltensregeln im ganzen Land.
Das betraf auch meine Frau, die seit Kurzem in einem Kleinkindergarten arbeitet, wo sie für die Pflege von etwa 15 Babies zuständig ist.
Doch wer jetzt meint, wir Israelis hätten uns alle kaum von unseren Schutzräumen weg gewagt, der kennt uns nicht: Die Tische vor den Kaffeehäusern und Imbissstuben waren dichter besetzt als üblich und die Leute freuten sich über den arbeitsfreien Tag.
Wie nicht anders zu erwarten, hat Israel sehr deutlich auf den iranischen Beschuss reagiert. Noch in der Nacht wurden heftige Angriffe auf Kommandoposten der IRGC geflogen und in den meisten iranischen Grossstädten schlugen mehrere unserer Luft-Boden Raketen ein.
Israel hat für diesen Gegenschlag nicht auf eine amerikanische Erlaubnis gewartet.
Auch der Kampf gegen die Hisbollah im Libanon wird weitergeführt.
Im Verlauf des heutigen Tages fanden vertieftere Gespräche zwischen Israel und den USA statt. Die USA sagen, ein positives Verhandlungsergebnis mit dem Iran stünde kurz bevor, weitere israelische Schläge gegen den Iran würden dies gefährden, und heute Nachmittag hat Netanjahu angekündigt, die Schläge gegen den Iran seien beendet.
In Israel gibt es viele Stimmen, die sagen, dass diese Krise längst beendet wäre, wenn Israel im Umgang mit dem Iran nicht auf die USA Rücksicht nehmen müsste: Das Regime wäre weggefegt, die Macht der IRGC gebrochen und die Strasse von Hormus wieder offen.
Damit endet mein kurzer Lagebericht für heute. Er soll einen Überblick über die gegenwärtige Situation aus israelischer Sicht vermitteln. Vieles liegt noch in der Schwebe, und erst die kommenden Tage werden zeigen, in welche Richtung sich die Lage entwickeln wird.
Ich befürchte, das liegt wieder einmal an der fragmentierten Innenpolitik der USA. Zum einen bauen die Demokraten ihre politischen Angriffe auf den gewaltigen Militareinsatz, der ja viel Geld kostet und zum anderen gibt es die MAGA Bewegung. Vance möchte sich aus all dem heraushalten, Rubio nicht und Trump muss sie alle bei Laune halten. Aber ich bin sicher, dass der erfahrene Diplomat Netanjahu das lösen kann. Leider helfen die Wirren der us amerikanischen Innenpolitik nicht dem Regime Wechsel in Iran und der ist nötig. Ich hoffe sehr, daß Rubio Israel weiter unterstützt und Israel sowohl die Verbrecher in Gaza bestrafen, als auch die Bedrohung durch Hisbollah und Iran ausschalten kann.