Judentum und Christentum

Die Spannungen zwischen dem Judentum und dem Christentum sind nichts Neues. Jeder Jude und jeder Christ kennt sie. In diesem Beitrag will ich einiges dazu erklären. Beginnend mit den bekanntesten gegenseitigen Anschuldigungen, zum Schluss mit dem wichtigsten grundsätzlichen Unterschied im Charakter der beiden Religionen.

Inhalt

Um es gleich vorwegzunehmen: Es geht mir hier nicht um Schuldzuweisungen oder Rechthaberei, sondern einzig darum, den wohl wichtigsten Unterschied zwischen Judentum und Christentum verständlich darzulegen.

Zwar war die Geschichte der Beziehungen zwischen Christentum und Judentum über viele Jahrhunderte hinweg von schwerer Verfolgung, Zwangskonversionen und Gewalt gegen Juden geprägt. Doch viele Christen erkennen heute dieses Unrecht klar an und distanzieren sich ausdrücklich davon.

Viele Christen — und es werden zunehmend mehr — erinnern sich heute auch stärker daran, wie tief Jesus im Judentum verwurzelt war, dass er als Jude lebte und sich an der Torah orientierte.

Viele Christen unterstützen inzwischen auch den jüdischen Staat, ohne uns Juden konvertieren oder unseren Staat christianisieren zu wollen, und das wird von uns Juden auch anerkannt und hochgeschätzt.

Rachsucht und nachtragend zu sein ist ohnehin keine jüdische Eigenschaft: Jeder kann Fehler machen, jeder kann daraus lernen, jeder kann bereuen und jeder kann sich verbessern. Jeden Tag beginnt ein neues Leben, sagen wir Juden, und man kann als anderer, besserer Mensch aufwachen.

Vergessen ist jedoch auch keine jüdische Eigenschaft, denn aus der Vergangenheit, aus der Geschichte können und sollen wir lernen.


Oft sagen Christen, das Christentum sei aus dem Judentum entstanden. Bezogen auf Jesus und die ersten jüdischen Anhänger stimmt das natürlich. Das spätere Christentum entwickelte jedoch zunehmend eine eigene religiöse Identität, die sich in wichtigen Punkten bewusst vom Judentum abgrenzte.

Diese Abgrenzung prägte auch Teile des Neuen Testaments und die spätere christliche Tradition. Einige Texte wurden im Verlauf der Geschichte gezielt benutzt, um Feindbilder gegenüber Juden zu rechtfertigen oder zu verstärken.

Die Geschichte um Judas

Einer der ältesten und folgenreichsten Vorwürfe gegen Juden im christlichen Kulturraum war die Vorstellung, das jüdische Volk trage Verantwortung für den Tod Jesu. Besonders die Geschichte um Judas Iskariot und seinen „Bruderkuss“ prägte über Jahrhunderte hinweg das christliche Bild des „verräterischen Juden“.

Daraus entwickelten sich im Lauf der Geschichte zahlreiche negative Klischees über Juden — etwa Vorstellungen von Verrat, Geldgier oder moralischer Hinterhältigkeit, die bis heute nachwirken.

Weshalb diese Darstellung aus jüdischer Sicht problematisch ist und weshalb sie historisch viele Fragen aufwirft, will ich im Folgenden anhand der Überlieferungen des Neuen Testaments erklären.

1. Der Name Judas

Dass ausgerechnet die Figur des Verräters den Namen „Judas“ trägt — einen Namen, der sprachlich eng mit „Jude“ verbunden ist — prägte über Jahrhunderte hinweg unbewusst das Bild des Juden im christlichen Kulturraum.

2. War Geld wirklich das Motiv?

Die Darstellung des Judas wirft auch psychologische Fragen auf. Gemäss den Evangelien verriet er Jesus für eine vergleichsweise geringe Geldsumme — die berühmten „30 Silberlinge“. Gleichzeitig gehörte Judas gemäss der christlichen Überlieferung zum engsten Kreis der Jünger und verwaltete offenbar sogar die gemeinsame Kasse der kleinen Gemeinschaft.

Kritiker der Überlieferung fragen deshalb seit langem, weshalb jemand in einer solchen Position wegen einer relativ kleinen Summe einen Verrat mit so dramatischen Folgen begehen sollte.

3. Der „Bruderkuss“

Auch die berühmte Szene des „Bruderkusses“ wirft Fragen auf. Gemäss den Evangelien hat Judas Jesus durch einen Kuss identifiziert, damit er verhaftet werden konnte. Gleichzeitig trat Jesus zu jener Zeit jedoch öffentlich auf, predigte vor grossen Menschenmengen und war in Jerusalem und der Umgebung längst keine unbekannte Person.

Kritiker der Überlieferung fragen deshalb, weshalb überhaupt ein besonderes Erkennungszeichen notwendig gewesen sein soll. Wäre Jesus tatsächlich gesucht worden, hätte man ihn auch bei einem seiner zahlreichen öffentlichen Auftritte festnehmen können.

4. Shabbat

Auch die zeitliche Einordnung der Judas-Geschichte wirft Fragen auf. Nach jüdischem Religionsgesetz sind Geldgeschäfte am Shabbat verboten — und rund um Pessach gelten religiöse Vorschriften in besonderem Masse.

Kritiker fragen deshalb, wie plausibel die überlieferte Darstellung eines kurzfristigen Geldgeschäfts unmittelbar vor der Verhaftung Jesu tatsächlich ist — insbesondere, wenn Judas gleichzeitig als enger Vertrauter Jesu beschrieben wird.

5. Die Stellung Judas

Gemäss der christlichen Überlieferung gehörte Judas zum engsten Kreis der Jünger und verwaltete sogar die gemeinsame Kasse der kleinen Gemeinschaft.

Dies wirft die Frage auf, weshalb jemand, der angeblich heimlich gegen Jesus arbeitete, innerhalb der Gemeinschaft überhaupt eine derart vertrauensvolle Stellung erlangen konnte.

6. Die historische Entwicklung

Je stärker sich das frühe Christentum im Römischen Reich ausbreitete, desto schwieriger wurde es, die römische Besatzungsmacht als Hauptverantwortliche für den Tod Jesu darzustellen. Stattdessen verlagerte sich der Fokus der Überlieferung zunehmend auf jüdische Gruppen jener Zeit.

Dadurch verschob sich die Verantwortung für den Tod Jesu in der christlichen Überlieferung zunehmend weg von der römischen Besatzungsmacht hin zu jüdischen Gruppen — eine Entwicklung, die später weitreichende Folgen für das Verhältnis zwischen Christen und Juden haben sollte.

Mit der Konversion Kaiser Konstantins gewann das Christentum erstmals die Unterstützung der politischen Macht des Römischen Reiches.

In diesem Zusammenhang wurde als Eines unter Vielem der Shabbat (Samstag) zum Sonntag (Tag des Sonnengottes) und viele bis dahin noch jüdischen Regeln wurden durch kaiserliche Anordnungen geändert.

Damit begann der Aufstieg des Christentums von einer kleinen verfolgten religiösen Bewegung zur späteren Weltreligion.

Jesus, der Staatsfeind

Jesus bewegte sich vollständig innerhalb der jüdischen Welt seiner Zeit. Seine Auseinandersetzungen richteten sich nicht gegen das Judentum als Ganzes, sondern gegen bestimmte religiöse und gesellschaftliche Strömungen jener Epoche.

Gemäss den Evangelien kritisierte er insbesondere religiöse Heuchelei, soziale Ungerechtigkeit und die enge Zusammenarbeit einzelner Eliten mit den politischen Machtstrukturen der damaligen Zeit. Bekannt sind etwa seine wütenden Auftritte auf dem Tempelberg gegen Händler und Geldwechsler.

Gleichzeitig stellte sich Jesus häufig auf die Seite einfacher Menschen und gesellschaftlicher Aussenseiter. Mit wachsender Popularität geriet er dadurch zunehmend in Konflikt sowohl mit lokalen Autoritäten als auch mit der römischen Besatzungsmacht.

Zudem weigerte sich Jesus, den römischen Kaiser als göttliche Autorität anzuerkennen — ein zentraler Bestandteil der damaligen römischen Staatsordnung.

Vor diesem historischen Hintergrund erscheint es vielen Historikern plausibel, dass die Römer in Jesus vor allem eine potenzielle politische Gefahr sahen — insbesondere in einer Zeit, in der Aufstände und religiös motivierte Unruhen im Land häufig waren.

Kreuzigungen dienten im Römischen Reich nicht nur der Bestrafung, sondern auch der öffentlichen Abschreckung — insbesondere gegenüber als staatsfeindlich betrachteten Juden und anderen Aufständischen jener Zeit.

Jesus war historisch gesehen bei Weitem nicht der einzige Jude, der von den Römern gekreuzigt wurde. Kreuzigungen gehörten in jenen Zeiten zu den brutalen Methoden, mit denen das Römische Reich Aufstände und Widerstand öffentlich abschrecken wollte.

Der Vorwurf der Gotteslästerung

Ein weiterer grundlegender Unterschied zwischen Judentum und Christentum betrifft die Frage nach dem Wesen G’ttes.

Aus jüdischer Sicht ist G’tt absolut eins und unteilbar. Die Torah verbietet ausdrücklich, irgendetwas oder irgendjemanden neben G’tt selbst anzubeten.

Hier liegt einer der zentralen theologischen Konflikte zwischen Judentum und Christentum. Christen verehren Jesus als Sohn G’ttes beziehungsweise — je nach christlicher Glaubensrichtung — als Teil der göttlichen Einheit der Trinität. Für Juden ist dieses Konzept jedoch schwer mit dem jüdischen Monotheismus vereinbar.

Aus jüdischer Perspektive ergeben sich daraus grundlegende Fragen:

a) Wenn Jesus der Sohn G’ttes ist, dann scheint zwischen Vater und Sohn eine Unterscheidung zu bestehen.

b) Wenn Vater und Sohn dagegen vollständig eins sind, stellt sich die Frage, weshalb die Evangelien wiederholt Gespräche zwischen Jesus und G’tt schildern.

Aus jüdischer Sicht bleibt dabei ein grundlegender Widerspruch bestehen: Der Vater ist der Vater und der Sohn ist der Sohn. Wenn beide voneinander unterschieden werden, miteinander sprechen und unterschiedliche Rollen einnehmen, dann können sie aus jüdischer Sicht nicht identisch sein.

Aus jüdischer Sicht ist G’tt eben eins (HaShem Echad) — unteilbar und nicht in verschiedene Identitäten aufspaltbar.

Das Judentum beruht kaum auf Glauben

Etwas vereinfacht könnte man sagen: Juden streben grundsätzlich weniger nach Glauben als nach Erkenntnis. Lernen, Studieren und Diskutieren besitzen im Judentum einen aussergewöhnlich hohen Stellenwert — umso intensiver, je observanter ein Jude lebt.

Im Judentum gilt es nicht als Schwäche, die eigene Sichtweise — oder den eigenen „Glauben“ — aufgrund neuer Erkenntnisse zu überdenken. Lernen und Weiterentwicklung gehören vielmehr zum religiösen Prozess selbst.

Dem ist seit langem so: Es gibt ganze Bibliotheken mit Interpretationen der Torah. Die bekannteste Sammlung davon sind die beiden Talmudim (den Babylonischen und den Jerusalemer Talmud), in denen gelehrte Rabbiner ihre Sichtweisen erklären, begründen und diskutieren.

So würde ich persönlich als orthodoxer Jude eher sagen: Mein Verhältnis zu G’tt basiert weniger auf Glauben als auf Erkenntnis, Erfahrung, Studium und Beobachtung der Welt.

Die Existenz von Unendlichkeit, die Frage nach dem Ursprung von Raum, Zeit, Licht und Energie oder die Ordnung der Natur werfen viele Fragen auf, die über die rein materielle Realität hinausweisen.

Nicht zufällig beginnt die Torah mit den Worten: „Es werde Licht!“

Dieses „Etwas“ — das Unerklärliche hinter der Existenz selbst — ist, was wir als G’tt bezeichnen: das Eine, Einzigartige (HaShem Echad), das sich unserem vollständigen Verständnis entzieht und das wir weder vollständig erfassen noch in menschliche Bilder oder Formen fassen können oder dürfen.

Denn jede solche Vorstellung würde das Unendliche zwangsläufig auf etwas Endliches reduzieren.


Der zentrale Glaubenskern des Judentums ist die Überzeugung, dass die Torah — die fünf Bücher Mose — göttlichen Ursprungs ist. Ob und wie sich dies beweisen lässt, darüber wird seit Jahrhunderten diskutiert. Religiöse Juden sehen jedoch unzählige Hinweise und Indizien, die für diese Sichtweise sprechen.

Doch darüber hinaus basiert das Judentum stark auf Wissen, Erkenntnis, Studium und Logik.

Reiner Glaube im Sinn einer unumstösslichen inneren Gewissheit spielt im Judentum deshalb traditionell eine weniger zentrale Rolle. Das ständige Hinterfragen, Diskutieren und Lernen gilt vielmehr selbst als Teil des religiösen Weges.

(Als ich zunehmend religiöser wurde und lernte, sagte mir einmal ein Rabbiner auf eine Frage nach dem jüdischen Glauben: „Glauben ist etwas für Christen. Wir Juden lernen“. Damals begann ich langsam zu verstehen, was damit gemeint war)

Deshalb besitzt die Debatte im Judentum einen aussergewöhnlich hohen Stellenwert. Unterschiedliche Meinungen werden nicht automatisch als Bedrohung empfunden, sondern oft als Möglichkeit, die eigene Sichtweise weiterzuentwickeln.

Im Judentum steht daher traditionell weniger die innere Glaubensgewissheit im Mittelpunkt als vielmehr das lebenslange Studium, das Hinterfragen, Diskutieren und praktische Leben nach der Torah.

Ein zentraler Gedanke des Judentums ist: letztendlich entscheidend ist nicht, was jemand glaubt, sondern was er tut.

Deshalb stehen im Judentum Ethik, Verantwortung und konkretes Handeln traditionell stärker im Mittelpunkt als ein bestimmtes Glaubensbekenntnis.


Wo religiöse Gewissheit (Glauben) im Mittelpunkt steht, werden Debatten leicht als Verteidigung der eigenen Überzeugung oder als Angriff auf eine andere verstanden.

Doch wir Juden lieben solche Debatten. Durch Diskussionen lernen wir, unsere Sichtweisen klarer auszuformulieren und lernen gleichzeitig andere, neue Sichtweisen kennen.

Dies unterscheidet das Judentum ganz wesentlich vom Christentum, in dem der Glaube eine sehr zentrale Rolle spielt.

Wer an Jesus Christus als G’ttes Sohn glaubt, wird gerettet, sagt das Christentum.

Dies, obwohl in keiner christlichen Schrift beschrieben wird, welche Kohanim (Priester), wann und wo Jesus gesalbt haben (was eine Salbung zu jener Zeit war, ist sehr genau beschrieben). Doch Christen glauben fest, er sei der Gesalbte (griechisch: Χριστός, Christos).

Wer dies ablehnt, entfernt sich aus christlicher Sicht vom zentralsten Kern des Christentums.


„Jesus hat mich gerettet“, hört man hie und da von Christen. Das mag durchaus stimmen: Glaube kann Menschen Halt, Orientierung und Sinn geben — besonders in schwierigen Lebensphasen. Und das ist auch gut so.

Das ist Glauben. Dieser ist selbstverständlich frei und jeder Mensch kann glauben, was er will. Wenn ein solcher Glaube einem Menschen Sinn, Orientierung und inneren Halt gibt und ihn zu einem guten Menschen macht, ist das absolut in Ordnung.

Das Judentum lebt Religion jedoch sehr anders: Nicht durch Glauben soll der Mensch besser werden, sondern durch Studium, Lernen, Erkenntnis und das praktische Anwenden dieser Erkenntnisse im täglichen Leben.

Darin liegt vermutlich einer der tiefsten Unterschiede zwischen Judentum und Christentum — und zugleich einer der Gründe, weshalb Juden und Christen bei Gesprächen über Religion oft zwar dieselben Worte benutzen, darunter jedoch oft nicht dasselbe verstehen.

9 thoughts on “Judentum und Christentum

  1. Ja klar, das Christentum ist ein Gegentwurf und in sich absolut antisemitisch. Während das Judentum um Erkenntnisse und deren Deutungen debattiert, fordert das Christentum Unterwerfung. Christentum und Islam wurden zur Legitimation absoluter Herrschaft von Kaisern entworfen, Nächstenliebe und Barmherzigkeit wurde drumherum drapiert, hat aber nichts damit zu tun. Christliche Barmherzigkeit ist der Scheiterhaufen und das verhungern lassen von alten und behinderten Menschen. Deutsche und europäische Christen, die Sieg heil brüllten, warum wohl ist in Europa kein denkender Mensch mehr in dieser Kirche.

    1. Ich denke, das ist das Dilemma der (heutigen!) christlichen Kirchen, insbesondere in Europa: Gleich wie auch viele jüdische Gemeinden hängen sie am staatlichen Tropf. Ohne erhebliche staatliche Finanzierung können sie ihren Laden dicht machen, die Priester und Rabbiner entlassen und die Kirchen und Synagogen schließen.

      Man beißt die Hand nicht, die einen füttert. Doch so wird man zum staatlichen Organ, zur Vertretung der Staatsmacht, und die eigentliche Aufgabe kann nicht mehr wahrgenommen werden.

  2. Interessant und faszinierend. Ich wurde ’streng katholisch‘ erzogen, habe mir mit 13 Jahren meine eigenen Gedanken gemacht und zu Hause umgehend meine ‚Frohe Botschaft‘ verkündet: „Ich gehe nicht mehr zur Kirche, und ich bete auch nicht mehr.“ Was folgte, erspare ich uns hier. Ich blieb dabei und habe meine Erkenntnis als ungeheure persönliche Befreiung erlebt.
    Aus deinem Text erfahre ich zum 1. Mal, dass die Erweiterung des Wissens Teil eurer Religion und sogar gewünscht ist. Die beiden christlichen Kirchen hingegen sind rigide und haben ihr rigides Weltbild brutal durchsetzen wollen, Menschen mit neuen Erkenntnissen gefoltert und getötet. Jetzt wird mir klar, warum ich euch so mag. Danke dafür, lieber Zeev.

    1. Dann erging es dir damals ein bisschen ähnlich wie mir. Ich wurde zwar nicht christlich erzogen, meine Familie war streng säkular, doch in der Schule war christlicher Religionsunterricht obligatorisch. Es gab in meiner Umgebung nur Katholiken und Protestanten.

      Ich konnte dem auch folgen, bis etwa zum Alter von 10 Jahren, als vertiefter das Neue Testament behandelt worden ist. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich „ausgeklinkt“. All dies ging mich nichts an, hat mich nicht angesprochen. Dass jemand vor 2’000 Jahren an einem Kreuz für „meine Sünden“ gestorben sein soll, hielt ich für blanken Irrsinn. Hier will man mir einen Schuldkomplex anerziehen, damit ich einen „Retter“ aus dieser „Schuld“ anerkenne (und anbete). So dachte ich damals und NEIN, das war nichts für mich und ich habe mich dem gegenüber verweigert.

      Gegen Schulabschluss (9. Klasse) gab’s dann die Konfirmation, die – so wurde mir gesagt – ebenfalls obligatorisch sei. Ich wusste jedoch, dass ich damit im christlichen Sinn volljährig werde. Also habe ich mitgespielt, doch noch am selben Abend habe ich meinen bereits vorbereiteten Kirchenaustritt abgeschickt. So gesehen war ich keine 24 Stunden lang ein Christ.

      Alle hielten mich für verrückt und wollten mir das ausreden, es rückgängig machen, doch ich war mir dessen sicher.

      Ich wusste damals noch gar nicht, dass ich jüdisch bin. Diese Erkenntnis kam erst sehr viel später (Vater und Mutter, beide jüdisch). Doch als ich es erkannte, und je mehr ich darüber lernte, desto mehr erkannte ich meine eigene Denkweise und viele meiner Handlungen und Entscheide von früher Kindheit an, die ich damals „aus einem Bauchgefühl“ getroffen habe ohne sie erklären zu können, sind mir auf einmal absolut verständlich und logisch vorgekommen.

  3. Die protestantische Kirche ist die Erfindung von Fürsten des heiligen römischen Reichs,,um die Macht eines Kaisers einzuhegen. Hier geht es nicht um spirituelle Bedarfe, sondern um Macht. Was mich angeht, so habe ich als Kind beschlossen, dass das Christentum judenfeindlich, rassistisch und frauenfeindlich ist und ich es ablehne.

    1. Das ist mir alles bekannt, daher möchte ich noch beitragen, dass die Augustiner Emeriten der Orden war , der für radikalen Antisemitismus und Gegner des Papsttums bekannt war. Schlimmer als Dominikaner. Deswegen hat sich Siegmund von der Pfalz auch für die Augustiner entschieden, um Reichsacht und Kirchenbann erfolgreich ignorieren zu können. Augustus von Hippo… nun dessen Lehren möchte ich nicht wiedergeben. Natürlich ist es pikant, dass die Augustiner, die im Papsttum weltliche Heuchler und unmoralische Personen sahen, sich dann ausgerechnet an die Wittelsbacher hängten.

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